Der gläserne Konsument rückt näher

Der gläserne Konsument rückt näher

Berlin. Ein fast vergessenes Thema soll wieder ins Bewusstsein der Bürger rücken. Diesem Ansinnen dient eine neue Broschüre zum Datenschutz, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Edda Müller, und der schleswig-holsteinische Datenschützer Helmut Bäumler die Bevölkerung riefen gestern auf, "aus der Lethargie heraus" zu kommen. Sie verbanden den Appell mit der Warnung: "Sonst wachen Sie morgen in einer anderen Gesellschaft auf!" Rund 20 Jahre nach der Erfindung der Datenschutzbeauftragten scheint die "Datensammelwut" (Müller) der Behörden und Unternehmen größer denn je und die Sensibilität der Bürger geringer als zuvor zu sein. Wenn die Menschen nicht bald zur "Datensparsamkeit" zurück fänden, so Müller und Bäumler vor der Presse in Berlin, drohe "der gläserne Konsument". Im Internet etwa seien Verstöße gegen die Datenschutzbestimmungen an der Tagesordnung. Die Hälfte aller Websites, die von den Verbraucherzentralen untersucht wurden - darunter renommierte Firmen wie Media Markt, Otto, Quelle, Tui und Yahoo -, boten Anlass zur Beanstandung. Leider seien die Bürger oftmals zu sorglos und gäben bereitwillig Auskunft - "bis hin zur Religionszugehörigkeit". Mit dem Einsatz der Kundenkarte werden auch die Umsatzdaten der Käufer erfasst und ausgewertet. Da sie zuvor beim Antrag ihre persönlichen Daten preisgegeben haben, kann so ein perfektes Konsumprofil entstehen. Verbraucherschützerin Müller kann sich da nur wundern: "Die Leute geben freiwillig Auskunft, vom Kauf alkoholischer Getränke bis hin zu Schmerzmitteln". Und sind die Daten erst einmal erfasst, dürfen sie bis zu 30 Jahre lang gespeichert werden. Besonders fies sind auch Gewinnspiele von Firmen, Versicherungen oder Krankenkassen. Mit den erhobenen personenbezogenen Daten würden die Betroffenen später gezielt (per Werbung) angesprochen. Auch vor so genannten "Gewinnmitteilungen" sollten die Leute die Finger lassen, warnen die Verbraucherschützer in der Broschüre. Trotz aller Verlockungen sollten die Bürger immer daran denken, dass kein Wirtschaftsunternehmen etwas verschenkt ohne Aussicht auf erheblichen Mehrgewinn. Bäumler, dienstältester Datenschutzbeauftragter Deutschlands: "Der Datenschutz taumelt im politischen Niemandsland herum". Müller und Bäumler forderten die Bürger auf, sparsamer mit ihren Daten umzugehen, das Auskunftsrecht in Anspruch zu nehmen ("auch beim Bundeskriminalamt"), alle Daten für Werbezwecke zu sperren (per Vermerk in Verträgen) oder sich in die "Robinsonliste" eintragen zu lassen, um unerwünschte Werbung zu unterbinden.