Der globalisierte Ball

Das Jammern und Wehklagen ist groß: Da gibt es erstmals seit 32 Jahren wieder eine Fußball-WM in Deutschland und die meisten Fußball-Fans werden die Spiele in Kneipen, auf Großleinwänden oder zu Hause am Fernseher verfolgen müssen, weil sie beim Internet-Roulette um die WM-Tickets kein Glück hatten.

Schade, denn die Begeisterung hierzulande wird groß wie nie sein, wenn Ronaldo, Beckham & Co. in den deutschen Stadien auflaufen. Aber so ist das in der globalisierten (Fußball)-Welt. Die WM ist ein Markenartikel, den der Weltverband Fifa alle vier Jahre an irgendeinen Gastgeber vergibt, um damit den größtmöglichen Reibach zu machen. Und den macht man eben mit den großen Sponsoren. Wer Millionen zahlt, bekommt eben auch Plätze in der ersten Reihe - und profitieren wird der "normale" Fan nachträglich auch, denn überall wurden neue Stadien errichtet, die auch bei Bundesliga-Partien mehr Komfort bieten. Und wie laut wäre der Aufschrei in Deutschland, wenn bei einem WM-Spiel von Klinsis Buben in einem anderen Land das deutsche Kontingent gekappt würde, um dem Gastgeber mehr Karten zur Verfügung zu stellen. Die Schuld für die Karten-Misere jetzt den Organisatoren um Franz Beckenbauer in die Schuhe zu schieben, ist zu einfach. Sie sind in diesem Fall nur die Handlanger des Weltkonzerns Fifa, der die Regeln diktiert. Sie werden sicherlich für "ihre" Fans gekämpft haben, aber mehr als die "paar" Karten waren angesichts des knallharten Verhandlungspartners auf der Gegenseite wohl nicht drin. Fifa-Boss Sepp Blatter hat sich ehedem auf Beckenbauer & Co. eingeschossen und legt nun den deutschen Slogan, "Die Welt zu Gast", so aus, dass es eben keine WM für Deutschland, sondern für die Welt sei. Vom hohen Ross lässt sich eben leicht grüßen. Was tun? Warten, hoffen und spekulieren. Darauf, dass möglichst viele Karten wieder zurückkommen. b.pazen@volksfreund.de