Der große Wurf

Irgendwann im Leben widerfährt jedem Gerechtigkeit. Wer zweimal die Hand an der Goldmedaille hatte und bittere Tränen weinte, weil er den Titel nicht errang, hat sich im dritten Anlauf endlich den Sitzplatz auf dem Thron verdient.

Die deutschen Handball-Männer haben das Image des "ewigen Vize” nach zwei verlorenen Endspielen eindrucksvoll abgelegt. Endlich ganz oben! Sie haben es sich verdient, denn die deutsche Mannschaft wird ihr Gesicht nach Olympia wohl radikal verändern. Wenn nun wieder kein Titel erreicht worden wäre, hätte dies zu einem Trauma geführt, das man wohl niemals hätte vergessen können. So aber ziert sich eine deutsche Männer-Mannschaft erstmals seit dem WM-Sieg von 1978 mit Gold. Die Aufbruchstimmung in der gesamten Sportart ist spürbar. Und aus diesem Erfolg sollte nun endlich Kapital geschlagen werden. Handball ist nach Fußball die Ballsportart Nummer zwei, die Klubs gehen in die großen (und auch gefüllten) Hallen, die besten Spieler der Welt tummeln sich in der Bundesliga. Nun sollte auch die Vermarktung der Liga entsprechenden Schub bekommen. Zwar wird die Wirtschaft den Klubs und dem Verband wohl nicht die Türen einrennen, aber die Tore stehen weit offen, um neues Geld in die Klubs zu bekommen und gleichzeitig die Jugend für Handball zu interessieren. Der Unterbau kann angekurbelt werden mit einem Titel im Gepäck. Denn von der Nachwuchsförderung wird in Zukunft einiges abhängen, denn junge Spieler müssen her, wenn Schwarzer, Kretzschmar & Co. ihre internationale Karriere bald beenden. Und auch die Stellung des weltgrößten Handballverbands dürfte sich im internationalen Vergleich durch den Erfolg von Ljubljana verbessert haben, die Bemühungen des DHB um eine EM oder WM lassen sich als amtierender Europameister einfach besser durchsetzen. Somit könnte das EM-Gold eine ganze Sportart nach vorne bringen, die aufgrund von Funsport und neuer Konkurrenz zum Beispiel aus dem Basketballer-Lager ins Hintertreffen zu geraten drohte. Der Titel ist im wahrsten Sinne ein großer Wurf. b.pazen@volksfreund.de