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"Der Hahn hat eine sehr gute Ausgangsposition"

"Der Hahn hat eine sehr gute Ausgangsposition"

Der Flughafen Hahn hat eine Zukunft. Vor der Aufsichtsratssitzung am Montag ist zwar noch nicht klar, in welche Richtung die Flughafen-Gesellschaft mit dem Sanierungskonzept der Geschäftsführung um Heinz Rethage steuert, aber die Tendenz steht fest: Auf der Kostenseite wird nachgebessert, es wird Einschnitte geben.

Hahn. Wenn namhafte Referenten beim Symposium auf dem Flughafen zum "Projekt Rheinland-Pfalz" von Theorien sprechen, wie der Hahn im Jahr 2050 aussehen könnte, hat dies in solch kritischen Tagen wahrlich etwas Visionäres.
Architekturstudenten der vier verschiedenen Fakultäten im Land sitzen in der Halle 501 C beim Symposium zusammen. Zwei Tage lang erörtern sie Potenziale der nächsten Jahrzehnte.
Zu Beginn des zweiten Tages spricht Ministerpräsidentin Malu Dreyer über das größte Konversionsprojekt im Land. Sie ist überzeugt: "Der Hahn hat eine sehr gute Ausgangsposition gegenüber anderen regionalen Flughäfen." Der Hahn müsse sich aber auch neben dem reinen Fluggeschäft entwickeln.
Wer sich in der Halle umschaut, fühlt sich bestätigt. 501 C fällt, gemessen an üblichen Tagungsorten für Symposien, aus dem Rahmen: ein karger leerer Raum, in den eine Bühne samt Bestuhlung hineinimprovisiert wurde. Ein Bauzaun am Ende der Halle symbolisiert den Zustand des Hahns - zwischen Aufbruch und Abgang.
Beim Symposium geht es um mehr als nur den Hahn; um die Entwicklung des ländlichen Raums, Konzepte, wie sich regionale Flughäfen mit einer umliegenden Region entwickeln lassen. Welche architektonischen Potenziale genutzt werden können, wie sich Infrastruktur von Flughäfen optimieren lässt.Gespannte Zuhörer


Landräte und Verbandsbürgermeister hören gespannt zu, wie die Referenten darauf eingehen, dass dem demografischen Wandel mit nachhaltigen Ideen begegnet werden kann. Dreyer erwähnt die Verkehrsinfrastruktur um den Hahn mit dem Ausbau der B 50, dem Hochmoselübergang und der Hunsrückbahn, deren Baubeginn sie im Jahr 2016 erwartet.
"Der Hunsrück hat im Moment keine Anzeichen von Strukturschwäche", sagt Dreyer. Dahinter steckt allerdings auch die Erkenntnis: Wenn der Hahn die Wende nicht schafft, könnte dies anders aussehen. "Trotz der vielen Debatten ist der Hahn ein Leuchtturm für die Region", sagt Dreyer. Die Wertschöpfung der 83 am Hahn ansässigen Unternehmen liegt demnach pro Jahr bei 400 Millionen Euro. Geschäftsführer Rethage sagt, der Hahn beschäftige deutschlandweit 10 000 Menschen.
Der Hahn-Chef befasst sich weniger mit der architektonischen Zukunft des Hahn, sondern mit dem Potenzial, das er aus ihm herauskitzeln will. "Wir können nur existieren, wenn wir attraktiv sind", sagt Rethage. Er will den Flughafen für den Endkunden als "multifunktionalen Konsumtempel" entwickeln und Cargo-Klienten mit der bald geschaffenen Landemöglichkeit für den neuen Großraumtyp 747-800 Anreize geben.
Prozesse zu ändern, erklärt Rethage, "dass dauert am Hahn drei, vier, fünf Jahre. Das können Sie nicht mit einem Hebel machen, sie müssen die Menschen überzeugen und mitnehmen." Der Geschäftsführer sagt: "Wir müssen was tun, aber in aller Ruhe, ohne Hektik." Klar ist, dass er den Rotstift auf der Kostenseite ansetzt, dort sieht er für die Restrukturierung zwei Drittel des Potenzials - und nur ein Drittel bei den Erlösen. "Auf dem Papier wollen wir nach 2017 die schwarze Null erreichen."
Rethage spricht davon, dass er die Mitarbeiter mitnehmen will und deshalb neben seinem Kompetenzteam und einigen Visionären die Abteilungsleiter und Controller in die aktuelle Sanierungsarbeit eingebunden hat. Von den sieben emotionalen Phasen einer Restrukturierung, die er vom anfänglichen "Schock" bis zur finalen "Erkenntnis" und "Integration" skizziert, habe das Unternehmen die ersten beiden harten Stufen der ablehnenden Phase hinter sich.
"Wir sind über den schlimmsten Punkt hinweg", sagt Rethage. Allerdings ist am Rande des Symposiums auch zu hören, dass es nach wie vor mächtig rumort in der Belegschaft. Der im Programm des Symposiums vorgesehene Vortrag des zweiten Geschäftsführers Wolfgang Pollety findet nicht statt. Es wäre um die Frage der Immobilien-Entwicklung am Flughafen gegangen - ein Thema, das nicht nur Architekturstudenten interessiert.Extra

Die Wirtschaftsprüfer von Dornbach & Partner wollen alle Unregelmäßigkeiten überprüfen, die mit Blick auf den Hunsrück-Flughafen bekannt geworden sind. Dazu wurde das renommierte Unternehmen vom Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft ermächtigt. Aber auch der Landesrechnungshof in Speyer wirft nach Informationen aus Mainz ein wachsames Auge auf die Vorgänge am Hahn. Er will wissen, welcher Prüfauftrag an Dornbach & Partner vergeben wurde. Und der Rechnungshof begehrt Einsicht in die Ergebnisse der Untersuchung. Dafür verzichten die Speyrer Kontrolleure zunächst auf eine eigene Prüfung am Flughafen Hahn. Für den Hunsrück-Airport ist neben dem rheinland-pfälzischen auch der hessische Rechnungshof zuständig. DB