Der Impfstoff reicht längst nicht für alle

Der Impfstoff reicht längst nicht für alle

Rund 50 000 gemeldete Schweinegrippe-Infektionen gibt es derzeit in Deutschland, und die Zahl der Neuerkrankungen verdoppelt sich nach Informationen des Robert-Koch-Instituts mit jeder Woche. Doch wer geimpft werden will, muss sich gedulden.

Berlin. Der Hersteller des Impfstoffes "Pandemrix", der britische Konzern GSK, kann bis Monatsende nur 9,3 Millionen Dosen und bis Jahresende nur insgesamt 20 Millionen Dosen liefern. "Nicht jeder kann sofort geimpft werden", sagte der neue Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) nach einem Spitzentreffen mit den Gesundheitsministern der Länder gestern in Berlin.

Bisher wurden bei den Schweinegrippe-Impfungen 59 Fälle von Nebenwirkungen festgestellt - meist lokale allergische Reaktionen, zweimal auch eine lebensgefährliche Schockreaktion, wie sie laut Rösler, von Beruf selbst Arzt, immer mal vorkommen kann.

Für den speziellen Impfstoff für Schwangere, der keinen Wirkverstärker enthält, sind die Verträge seitens der Länder immer noch nicht abgeschlossen. Das soll nun, wurde gestern mitgeteilt, eilends nachgeholt werden, zunächst für 150 000 Impfdosen. Allerdings könnten sich Schwangere auch mit "Pandemrix" impfen lassen, sagte Rösler. Freilich mit der Gefahr etwas stärkerer Nebenwirkungen.

Grünen-Fraktionsvize Bärbel Höhn zeigte sich darüber empört. Obwohl Schwangere nach der Empfehlung der Ständigen Impfkommission zügig geimpft werden sollten, sei für diese Risikogruppe nun kein Impfstoff verfügbar. "Hier wurde geschlampt", sagte die Abgeordnete gegenüber unserer Zeitung.

Die Ländervertreter forderten bei dem Gipfeltreffen eine einheitliche Kommunikation gegenüber den Bürgern. "Daran haben wir noch zu arbeiten", sagte die rheinland-pfälzische Gesundheitsministerin Malu Dreyer. Das entstandene Impfchaos hat freilich auch Ursachen in den Ländern selbst. In einigen wurde sehr spät festgelegt, welche Arztpraxen die Impfungen vornehmen sollen. Zum Teil, wie in Berlin, stehen sie immer noch nicht endgültig fest. Und die Adressen findet man noch nicht überall im Internet.

"Ich kann nur hoffen, dass hier niemals die Pest ausbricht", schimpfte gestern der Vorsitzende der Berliner Frauenärzte, Albrecht Scheffler, angesichts des Durcheinanders.

Ulrich Montgomery von der Ärztekammer meinte dazu, so schlimm sei die Schweinegrippe nun auch wieder nicht. "Deswegen kann man jetzt alles mal üben".