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Der kleinste Nenner

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SHvetter220030422.jpg FOTO: axentis.de / Georg J. Lopata (www.axentis.de )
Der Berg kreißte und gebar ein ausbildungspolitisches Mäuslein. Was die erste Garnitur von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften bei ihrem Lehrstellen-Gipfel zu Papier brachte, ist in der Tat dürftig.

Alle Beteiligten versprachen sich praktisch nicht mehr, als die akute Lehrstellen-Not endlich ernst zu nehmen. Ist das Spitzentreffen damit gescheitert? Nur wer überzogene Erwartungen hatte, kann diese Frage eindeutig bejahen. Am Ende hat man sich auf den kleinsten gemeinsamen Nenner geeinigt. Denn die strittige Ausbildungsplatz-Abgabe war für die Unternehmer-Lobby genau so wenig akzeptabel, wie die Gewerkschaften nicht ihren Segen zur Kürzung der Ausbildungsvergütung geben konnten. Beide Instrumente sind auch ziemlich fragwürdig. Eine Zwangsabgabe für nicht ausbildende Betriebe würde Kleinunternehmen in die Bredouille bringen, während sich große Firmen bequem von ihrer Weigerung frei kaufen könnten. Und dass das Wohl und Weh der Lehrstellen an der "üppigen" Bezahlung hängt, lässt sich keinem vermitteln, der mit diesen schmalen Bezügen leben muss. Nein, solche Maßnahmen wären nur Flickschusterei. Und eine ungerechte noch dazu. Dreh- und Angelpunkt des Lehrstellenproblems ist die desolate Wirtschaftslage. Erst wenn die Konjunktur wieder anzieht, werden auch wieder mehr Ausbildungsplätze zur Verfügung stehen. Der Staat kann die größte Not durch überbetriebliche Lösungen lindern helfen. Aber Wachstum lässt sich nicht durch wohl gemeinte Appelle erzielen. Eingedenk der Tatsache, dass Wirtschaft auch eine Menge mit Psychologie zu tun hat, ist die Spitzenrunde aber nicht umsonst gewesen: Zumindest verlieren sich Wirtschaft und Regierung nicht mehr in verbalen Beschönigungen. nachrichten.red@volksfreund.de