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Der Klimawandel ist längst da - auch in Rheinland-Pfalz

Der Klimawandel ist längst da - auch in Rheinland-Pfalz

Steigende Temperaturen, Hitzewellen und schwere Unwetter in der Region sind für Experten alarmierend. Die Landes-Umweltministerin sagt: Klimaschutz geht auch ohne Trump weiter.

Ein Spezialbagger verteilt die Erdmassen am Hang über dem Busental so, dass keine weitere Schlammlawine mehr abgehen kann. TV-Foto: Christiane Wolff
Überschwemmung in Lasel. Foto: Pressestelle Feuerwehr VG Prüm

Der Frost mit zweistelligen nächtlichen Minusgraden im Frühjahr ist für Ulrich Matthes ein deutliches Zeichen dafür, dass der Klimawandel in Rheinland-Pfalz längst spürbar ist. Dieser sorge auch hierzulande für mehr extremes Wetter, Trockenheit, Starkregen und eben Frost im Frühjahr, sagt Matthes vom rheinland-pfälzischen Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen. Gestiegene Temperaturen, mehr Hitzestress und eine Verschiebung der Vegetationszeiten etwa im Weinbau seien Anzeichen dafür, dass sich der Klimawandel in der Region Trier bemerkbar mache, sagt auch Markus Casper, Professor für Physische Geographie an der Uni Trier.

Klimawandel? Für US-Präsident Donald Trump gibt es diesen nicht. Mit der Ankündigung, aus dem Pariser Klimaschutzabkommen auszusteigen, erntet der sprunghafte Politiker weltweites Kopfschütteln. Auch bei Casper. Trump habe nicht verstanden, dass von der Pariser Klimakonferenz im Dezember 2015 ein Impuls ausgegangen sei - für eine kohlenstoffarme Zukunft und einen Wandel zu mehr erneuerbaren Energien. Ein Impuls, der auch für die USA sinnvoll sei, "um die Abhängigkeit von Öl und Gas runterzufahren". Zunächst einmal habe der Ausstieg der USA aus den Vereinbarungen keine direkten Folgen, außer dass die Kohlenstoffdioxide, die die USA ausstoßen, nicht wie vereinbart gesenkt werden, sagt Casper. Allerdings werde damit das in Paris bestätigte Ziel, die Erderwärmung nicht über zwei Grad steigen zu lassen, schwieriger erreichbar. In Rheinland-Pfalz sei die Durschnittstemperatur seit 1881 um 1,5 Grad gestiegen, sagt Klimaexperte Matthes.

2016 sei das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Land gewesen, sagte der rheinland-pfälzische Umweltstaatssekretär Thomas Griese (Grüne) am Donnerstag ein paar Stunden vor Trumps Ankündigung bei einer Konferenz in Trier. "In der Großregion bekommen wir die Klimaveränderungen besonders stark zu spüren. Wir kämpfen mit Schädlingen, die wir früher nicht hatten, oder mit Starkregenereignissen wie im vergangenen Sommer."
Vor einem Jahr sorgten extreme Unwetter in der Region für schwere Schäden. Flüsse und Bäche traten über die Ufer. In Nimshuscheid (Eifelkreis Bitburg-Prüm) standen komplette Häuser unter Wasser, im Busental in Trier überrollte eine Schlammlawine eine Häusersiedlung. Gelänge es nicht, wie vereinbart bis 2030 klimaschädliche Treibhausgase wie Kohlendioxid und den Temperaturanstieg deutlich zu reduzieren, müsse man weiterhin mit solchen Unwettern rechnen, sagt Matthes. Ebenso mit Frost im Frühjahr, der die aufgrund des Klimawandels früher sprießenden Pflanzen schädige.

Für die rheinland-pfälzische Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) ist klar: "Beim Klimaschutz gibt es kein Zurück. Jetzt erst recht nicht." Der angekündigte Rückzug der USA aus dem Paris-Abkommen sei "ein Angriff auf die gemeinsamen Interessen der Weltgemeinschaft". Höfken weiter: "Klar ist aber: Die Klimaschutzbemühungen werden auch ohne Herrn Trump weltweit weitergehen." Das sagt auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU): "Nichts kann und wird uns dabei aufhalten." Deutschland werde seine Verpflichtungen erfüllen.

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