1. Nachrichten
  2. Themen des Tages

Der lange Weg aus den roten Zahlen

Der lange Weg aus den roten Zahlen

In der Ruhe liegt die Kraft: Am Flughafen Hahn sind die Dauerquerelen um den umstrittenen Ex-Geschäftsführer Rethage vergessen. Siehe da: Es geht langsam aufwärts. Das Frachtgeschäft wächst schneller als geplant.

Lautzenhausen. Betriebsrat gegen Geschäftsführer, Geschäftsführer gegen ehemalige Verantwortliche, Mitarbeiter gegen Mitarbeiter: Fast ein Jahr lang hat der Flughafen Hahn für Negativschlagzeilen gesorgt. Der Höhepunkt war erreicht, als die Staatsanwaltschaften Koblenz und Bad Kreuznach wegen des Anfangsverdachts von Straftaten Ermittlungen aufnahmen.
Die Ermittler wälzen zwar immer noch Unterlagen, und es bleibt offen, ob sie irgendwann Anklagen erheben. Gerade erst haben sie ihre Aktionen ausgeweitet. Sie ermitteln gegen Ex-Hahn-Chef Jörg Schumacher und Ex-Prokurist Stefan Maxeiner zusätzlich wegen eines mutmaßlich unzulässig genutzten Feuerwehrautos (siehe Extra).
Zuwachs um 24 000 Tonnen


Der Flughafen steuert dennoch in ein ruhigeres Fahrwasser, seit im Mai der damalige Geschäftsführer Heinz Rethage abgelöst worden ist. "Ich habe ihn seitdem nicht mehr gesehen", bekennt Salvatore Barbaro, Vorsitzender des Aufsichtsrates.
Barbaro weiß indes von positiven Entwicklungen zu berichten. Der Hunsrück-Airport hat binnen kurzer Zeit sein Frachtgeschäft erheblich ausgeweitet. Neukunde Air China Cargo bringt einen Zuwachs um 24 000 Tonnen Fracht pro Jahr, die aserbaidschanische Silk Way Airlines erhöht um 20 000 Tonnen. Geplant war erst bis 2018 eine Steigerung von 150 000 auf 200 000 Tonnen. Dieses Ziel ist mithin schon erheblich früher erreicht.
Wie sich das auf die Geschäftszahlen auswirkt, erklärt Aufsichtsratschef Barbaro so: "In diesem Jahr werden wir bei einem Minus von 16 Millionen Euro landen. Nächstes Jahr planen wir sehr ambitioniert mit einer Reduktion auf minus zehn Millionen Euro."
Das von Rethage entworfene und mittlerweile überarbeitete Sparkonzept wirkt sich ebenfalls aus. So läuft der Personalabbau, außerdem erledigt der Hahn ab Januar die Gepäckabfertigung selbst und vergibt sie nicht mehr an eine Fremdfirma.
Bis 2024 soll und muss die schwarze Null stehen. So verlangt es die EU-Kommission. Barbaro erinnert: "Man darf nicht vergessen, dass wir von einem Minus von 20 Millionen Euro im Jahr kommen." Hahn-Chef Markus Bunk hatte diese Zahl schon als "ehrliche Zahl" genannt, weil sie einmalige Sondereffekte, die das Jahresergebnis zwischenzeitlich freundlicher aussehen ließen, außer Betracht lässt.
Neues Vertriebskonzept


Warum finden plötzlich neue Frachtkunden den Weg zum Hahn? Finanzstaatssekretär Barbaro erklärt das mit einem neuen Vertriebskonzept. Der Hahn lockt damit, dass er die Fracht nach der Landung schon drei Stunden später in die Hallen des Frankfurter Flughafens bringt, von wo aus sie ins paneuropäische Verteilnetz kommen. Landen die Maschinen in Frankfurt, dauert es sechs Stunden.
Am Hahn können die Frachtflieger auch schon nach zweieinhalb Stunden wieder abheben. Mit anderen Worten: Zeit ist Geld - und das, betont Barbaro, habe Chinas größte Frachtfluggesellschaft eben erkannt. Im Hunsrück hofft man, dass damit eine Tür für weitere Kunden geöffnet wurde.
Von steigenden Passagierzahlen geht der Flughafen Hahn nicht aus. Damit verdient er allerdings ohnehin sehr viel weniger Geld als mit der Fracht. Hauptkunde Ryanair hat bereits angekündigt, weniger Maschinen zu stationieren. Andere Gesellschaften zu akquirieren, erweist sich als nahezu unmöglich - Platzhirsch Ryanair duldet bekanntlich keine Konkurrenz. Ende 2016 läuft der Vertrag mit den Iren aus.Extra

Die Staatsanwaltschaft Koblenz hat ihre Ermittlungen zum Flughafen Hahn ausgeweitet. Es gehe nun auch um eine möglicherweise unberechtigte Nutzung eines Feuerwehrfahrzeuges, wie Oberstaatsanwalt Rolf Wissen mitteilte. Der Untreue-Vorwurf in dieser Sache richtet sich gegen den ehemaligen Hahn-Geschäftsführer Jörg Schumacher und Ex-Prokurist Stefan Maxeiner. Ein Fahrzeug der Flughafen-Feuerwehr mit Kran soll genutzt worden sein, um Bäume über einen privaten Zaun zu hieven. Insgesamt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen sieben Beschuldigte wegen möglicher Untreue oder Beihilfe zur Untreue. dpa