| 20:35 Uhr

Der letzte Freier war "Simis" Mörder

Trier. Vor achteinhalb Jahren entdeckt ein Autofahrer unweit von Trier die Leiche einer jungen Frau. Wie sich später herausstellt, fiel die 30-jährige Kölnerin einem Sexualverbrechen zum Opfer. Der Prostituierten-Mörder wurde bislang nicht geschnappt. Rolf Seydewitz

Trier. An Neujahr 2003 macht ein Autofahrer an der Landesstraße L 141 zwischen Schweich und Hetzerath eine grausige Entdeckung: Neben einem Parkplatz findet er die fast unbekleidete Leiche einer ermordeten Frau. Es dauert mehrere Tage, bis die Ermittler der Trierer Kripo - dank eines bei der Toten gefundenen seltenen Hörimplantats - die Identität klären können. Es ist die 30-jährige Kölnerin Simone Dewenter. Sie wurde vermutlich vor Ort umgebracht und missbraucht.Was viele in Simone Dewenters Verwandten- und Bekanntenkreis nicht wussten: Die von Geburt an fast gehörlose Frau jobbte nebenbei als Prostituierte. Gemeinsam mit einer Freundin ging "Simi" abends regelmäßig auf den Straßenstrich - zunächst in Köln, später in Bonn-Endenich. Auch am Tag ihres Verschwindens, dem 29. Dezember 2002, fuhren die beiden jungen Frauen gegen Nachmittag "zur Arbeit". Beide planten, wie sonst auch, am späten Abend wieder zurückzufahren. Gegen 21.20 Uhr beobachtete die Freundin, wie Simone in einen weißen Lieferwagen stieg - danach sah sie "Simi" nie wieder. Möglicherweise war der Fahrer Simones letzter Freier - und auch ihr Mörder. Als Simone Dewenter in jener Nacht auch um 1.30 Uhr noch nicht wieder zurückgekehrt war, informierte die Freundin die Polizei: "Ich hatte direkt so ein komisches Gefühl, sie war immer pünktlich." Die Leiche Simone Dewenters wird erst zweieinhalb Tage später gefunden - 150 Kilometer von ihrem "Arbeitsplatz" entfernt auf dem nahe der Autobahn Trier-Koblenz gelegenen Parkplatz "Azert" bei Schweich. Den Namen des Parkplatzes bekommt auch die bei der Trierer Kripo eingerichtete 20-köpfige Sonderkommission. Deren Ermittlungserfolge halten sich allerdings in Grenzen. Ein kurz nach dem Mord festgenommener Tatverdächtiger muss wieder auf freien Fuß gesetzt werden, weil sein genetischer Fingerabdruck nicht mit der am Tatort gefundenen DNA übereinstimmt. Von den über 200 seinerzeit gesicherten Spuren führte bislang keine zum Täter. Der zuständige Staatsanwalt Jörn Patzak ist dennoch optimistisch, dass der Mörder von Simone Dewenter eines Tages gefasst wird. "Wir greifen alle ungeklärten Kapitalverbrechen regelmäßig noch einmal auf", sagt Patzak. Aktuell zeige gerade der Fall der seit knapp 30 Jahren vermissten Eifelerin Lolita Brieger, "dass manchmal nach vielen Jahren noch Bewegung in eine Sache kommen kann". Über den Fall Simone Dewenter berichtet der Fernsehsender RTL II am Montag, 17. Oktober, 22.15 Uhr, im Rahmen seiner Serie "Ungeklärte Morde". volksfreund.de/krimispecial