Der Notarzt wird heutzutage schneller gerufen

Der Notarzt wird heutzutage schneller gerufen

Nicht immer erreichen Rettungswagen binnen der geforderten 15 Minuten ihren Einsatzort. Die Distanzen für die Helfer sind mitunter groß, wenn es darum geht, auch in entlegenen Gegenden der Region innerhalb der Hilfsfrist anzukommen. Marode Straßen sorgen zudem für verspätetes Eintreffen bei den Patienten, gibt die zuständige Rettungsbehörde in Trier zu bedenken.

Trier. "Es gibt Bereiche in der Region, wo die Rettungswagen spürbar später eintreffen", sagt Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, die zuständige Behörde für den Rettungsdienstbereich Trier. In den allermeisten Fällen würden jedoch alle Orte im Zuständigkeitsbereich fristgerecht erreicht.
Doch nicht nur die weiten Wege machen den Rettungsmannschaften zu schaffen. Widrige Wetterbedingungen, Mehrfachalarmierungen sowie marode Straßen in der Region tragen zu Verspätungen der Rettungsdienste bei.
"Nicht zuletzt der in einigen Regionen schlechte Straßenzustand durch den hohen Sanierungsstau bei Kreis- und Landesstraßen führt dazu, dass es leider immer wieder zu Hilfsfristüberschreitungen kommt", teilt Müller mit. In den ländlichen Gebieten unterstützen die in Luxemburg und Wittlich stationierten Rettungshubschrauber die örtlichen Helfer.
Problematisch ist die Versorgung mit Rettungsdiensten in den vergangenen Jahren in Badem, Winterspelt und Echternacherbrück in der Eifel sowie im oberen Ruwertal und in Pluwig (Kreis Trier-Saarburg) gewesen. "Da wir die Zeiten regelmäßig überprüfen, haben wir hier schon reagiert", berichtet Dr. Manfred Schiffer, ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes der Kreisverwaltung Trier-Saarburg als zuständige Rettungsdienstbehörde für die die Region.
In der Eifel sind zusätzliche Außenwachen eingerichtet worden. In Pluwig ist seit einem halben Jahr ein Rettungswagen der Rettungswache Konz im Probebetrieb stationiert. "Gespräche über eine dauerhafte Stationierung laufen mit den Kostenträgern", sagt Müller. Mehr Rettungswachen zu bauen, sei allerdings kein praktikabler Lösungsansatz, weil das schlichtweg nicht zu bezahlen sei. Die Personalausstattung einer Wache mit Mehrschichtbetrieb wäre mit einer erheblichen Kostensteigerung verbunden. Dazu müssten erst die gesetzlichen Vorgaben des Landes geändert werden.
Der Rettungsdienstbereich Trier umfasst knapp 5000 Quadratkilometer, in denen die 280 hauptamtlichen Rettungskräfte rund 520 000 Menschen zu versorgen haben.
Binnen einer Dekade hat sich zudem die Zahl der Fehleinsätze beziehungsweise blinder Alarme in der Region Trier mehr als verdoppelt. Mussten die Rettungswagen im Jahr 2000 lediglich 3542 Mal vergeblich ausrücken, so stehen 2010 7742 Fehleinsätze in den Landkreisen Trier-Saarburg, Eifelkreis Bitburg-Prüm, Vulkaneifelkreis und Kreis Bernkastel-Wittlich zu Buche. Das geht aus der aktuellen Statistik des rheinland-pfälzischen Innenministeriums hervor. Jörg Zimmer, ärztlicher Leiter der Rettungsdienste der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, führt den Anstieg der Zahlen in der Rettungsstatistik von Rheinland-Pfalz auf drei Gründe zurück: Erstens bringe es der demografische Wandel der Bevölkerung mit sich, dass die älter werdenden Menschen im Alter öfter medizinische Hilfe benötigen. Zweitens nehme die Zahl der ansässigen Hausärzte vor allem in den ländlichen Gebieten immer mehr ab, was dazu führe, dass eben öfter der Notarzt gerufen werde. Drittens liege den gestiegenen Einsatzzahlen auch eine Veränderung der Mentalität in der Bevölkerung zugrunde.
Die Hemmschwelle, im Ernstfall den Notarzt zu rufen, sei im Laufe der Jahre gesunken, meint Zimmer.
"Die Entwicklung geht dahin, dass heutzutage der Notarzt schneller gerufen wird", sagt Thomas Müller.In Rheinland-Pfalz fordert das Rettungsdienstgesetz, dass der Rettungswagen laut Paragraf 8 "in der Regel innerhalb einer Fahrzeit von maximal 15 Minuten nach dem Eingang des Hilfeersuchens bei der Leitstelle erreicht werden kann". Im Saarland beträgt diese Frist nach Eingang der Meldung bis zur Ankunft des Rettungswagens vor Ort zwölf Minuten. 95 Prozent der Rettungskräfte sollen binnen dieser Zeit den Einsatzort erreichen. In Hessen sind für Rettungsdienste zehn Minuten gefordert, in Nordrhein-Westfalen fünf bis acht Minuten und zwölf Minuten im ländlichen Raum. zad

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