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Der Nürburgring hat ausgerockt

Rock am Nürburgring. TV-Foto: Archiv/Sven Eisenkrämer
Rock am Nürburgring. TV-Foto: Archiv/Sven Eisenkrämer
Nürburg. Noch einmal Iron Maiden und Metallica, noch einmal ein Sprint von der Center- zur Alterna-Stage und ein Streifzug über die Zeltplätze - dann ist Schluss. An Pfingsten läuft Rock am Ring zum letzten Mal in der Eifel. Der neue Besitzer des Nürburgrings will "mit einem anderen Veranstalter" ein neues Festival organisieren. Jörg Pistorius

Nürburg. Der Autozulieferer Capricorn, der die insolvente Rennstrecke übernommen hat, will weiter "internationale Stars" in die Eifel holen - das betont Nürburgring-Geschäftsführer Carsten Schumacher. Mit Veranstalter Marek Lieberberg und der Marke Rock am Ring wird das neue Festival nichts mehr zu tun haben. Lieberberg verbirgt seine Kritik nicht. "Ich kann nur darüber schmunzeln, dass ein Autozulieferer glaubt, er könne ein Festival auf die Beine stellen", sagt der 68-jährige Konzertveranstalter, der seit 1970 im Geschäft ist. "Wir haben in 30 Jahren eine Marke aufgebaut, und die glauben, die können das in einem Jahr."
25 Prozent mehr gefordert


Rock am Ring, das im kommenden Jahr seinen 30. Geburtstag feiert (siehe Extra), werde ab 2015 an einem anderen Ort fortgesetzt. Wo das Spektakel künftig über die Bühne gehen werde, stehe noch nicht fest. "Rock im Park ist von dieser Entscheidung nicht betroffen", hieß es bei der Lieberberg-Konzertagentur. Rock im Park ist der seit 1997 in Nürnberg stattfindende Zwilling von Rock am Ring. Unterschiedliche Vorstellungen der Gewinnverteilung ließen die Zusammenarbeit zwischen Capricorn und Lieberberg scheitern. Der neue Betreiber, der bereits ein Drittel kassiere, habe weitere 25 Prozent mehr gefordert. "Dabei ist der Nürburgring bereits die teuerste Veranstaltungsstätte in Deutschland", betont Lieberberg.
Wenige Minuten, nachdem die Nachricht am Freitagnachmittag die Öffentlichkeit erreicht hat, wird das Thema in Rheinland-Pfalz zum Politikum. "Das Versagen der Landesregierung bei der gescheiterten Neuausrichtung des Nürburgrings bringt immer weitere negative Folgen für die Region mit sich." Mit diesen Worten meldet sich der stellvertretende Vorsitzende der CDU-Landtagsfraktion, Alexander Licht. "Mit dem Verkauf an einen privaten Investor sind die vielen Probleme entgegen der Hoffnung von Ministerpräsidentin Dreyer und ihrem Kabinett noch lange nicht gelöst. Denn zahlreiche Veranstaltungen am Ring ab der Saison 2015, gerade mit regionalen Clubs, sind noch nicht abschließend geklärt." Die Jungen Liberalen Rheinland-Pfalz gehen noch einige Schritte weiter.
Durch das Aus von Rock am Ring entstehe Rheinland-Pfalz und der Eifelregion ein "nicht wieder gut zu machender kultureller Schaden". Dreyer habe beim Verkauf der Rennstrecke die Existenzsicherung von Rock am Ring ignoriert. Ihr Vorgänger Kurt Beck solle gar sein Bundesverdienstkreuz zurückgeben.
Die Staatskanzlei in Mainz reagiert kurz und knapp. "Wir bedauern die Ankündigung, dass Rock am Ring in diesem Jahr zum letzten Mal am Nürburgring stattfinden soll", meldet Regierungssprecherin Monika Fuhr. "Wir gehen aber davon aus, dass der neue Eigentümer ein alternatives und tragfähiges Konzept entwickeln wird, mit dem die Kündigung von Rock am Ring kompensiert werden kann."
Der Nürburgring musste 2012 Insolvenz anmelden, nachdem die SPD-Regierung in Rheinland-Pfalz einen zu groß geratenen Freizeitpark für 330 Millionen Euro hatte bauen lassen. Nach der Insolvenz flossen Millionen Euro an Steuergeldern. Im März erhielt schließlich Capricorn den Zuschlag für die Übernahme, die zum 1. Januar 2015 wirksam wird. Der Autozulieferer zahlte 77 Millionen Euro. Als Favoriten für ein neues Rock am Ring unter Lieberbergs Regie gelten momentan der Lausitzring in Brandenburg und der Hockenheimring in Baden-Württemberg.Extra

An der Rennstrecke Nürburgring in der Eifel steigt seit 1985 jedes Jahr das legendäre Musikfestival Rock am Ring. Im Prämierenjahr standen U2, Joe Cocker, Gianna Nannini, Marius Müller-Westernhagen und 13 weitere Bands auf der Bühne. 2013 bescherten rund 87 000 Zuschauer den Organisatoren des dreitägigen Mega-Events mit inzwischen 80 Bands einen Besucherrekord. Etwa 25 Kilometer Zaun begrenzen das Festivalgelände mit jeweils 100 Hektar Zelt- und Parkfläche. Am kommenden Donnerstag beginnt die nächste Ausgabe des Open-Air-Festivals. Mehr als 80 000 Fans werden erwartet, um sich Iron Maiden, Metallica, The Offspring, In Extremo und Dutzende weitere Bands anzuhören. dpa