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Der Professor und die Politik

Mainz. Aus der Riege der zwölf Staatssekretäre der Landesregierung ragt einer heraus: Salvatore Barbaro. Der Finanzexperte hat im Hauptjob und in etlichen wichtigen Zusatzfunktionen großen Einfluss. Zum Beispiel am Flughafen Hahn. Frank Giarra

Mainz. Viele Menschen bewahren Briefmarken oder Münzen auf. Salvatore Barbaro sammelt auch etwas, aber eher unfreiwillig: Chefposten. Marlon Brando würde als Filmfigur Don Corleone hauchen: Der in Fulda geborene Deutsch-Italiener, dessen Eltern aus der Nähe von Neapel stammen, bekommt Angebote, die er nicht ablehnen kann.
Im Hauptberuf, für den er nach eigenem Bekunden etwa 40 Prozent seiner Zeit aufbringt, ist der 39-Jährige Finanzstaatssekretär. Als solcher ist er Amtschef des Ministeriums mit 220 Mitarbeitern. Er kümmert sich federführend um den Landeshaushalt.
Barbaro nimmt auch an Finanzverhandlungen zwischen Bund und Ländern teil, etwa wenn es um Fluthilfe oder den Hochschulpakt geht. Und er ist im Evaluationsausschuss von Bund und Ländern, der die Haushalte finanzschwacher Länder wie Berlin, Bremen, Saarland und Schleswig-Holstein überwacht. Reisen in die Bundeshauptstadt sind damit beinahe wöchentlich Pflicht. Dabei hat Barbaro im Land genug zu tun: Der SPD-Politiker ist Aufsichtsratschef des Flughafens Hahn und von Lotto Rheinland-Pfalz, Verwaltungsratsvorsitzender der Landesförderbank ISB und des Landesbetriebs LBB. Und er ist Landeskoordinator des US-Hospitals im pfälzischen Weilerbach, einem Milliardenprojekt.
Er verbringe etwa 60 Prozent seiner Zeit mit diesen Beschäftigungen, verrät der promovierte Volkswirt. Auf den ersten Blick mutet das erstaunlich an, sind es doch scheinbar nur Nebenjobs. Da allerdings im Finanzministerium ohnehin in der Abteilung Landesbeteiligungen die Verantwortung für alle 60 Landesgesellschaften gebündelt ist, ergibt die Konzentration durchaus Sinn.
Sinn hat es genauso, wenn der Vater zweier Kinder frotzelnd Professor genannt wird. Salvatore Barbaro ist seit 2013 tatsächlich einer - Honorarprofessor an der Uni Mainz. Der Zeitaufwand dafür ist mit einer Lehrveranstaltung an einem Wochenende im Jahr im Vergleich zu den anderen Tätigkeiten bescheiden.
In der SPD gilt der redegewandte und smarte, gleichwohl nie arrogant wirkende Barbaro als große Nachwuchshoffnung. Prädikat: ministrabel. Es fällt zum Beispiel auf, wie er im wichtigen Haushalts- und Finanzausschuss sachkundig Angriffe der CDU-Fraktionsspitze pariert. Viele halten ihn für ein Schlitzohr, was er selbst nicht gerne hört. Erschwert dieser Ruf doch Gespräche mit misstrauischen Bürgermeistern.
Der ehemalige Ministerpräsident Kurt Beck mag geahnt haben, welches Talent er 2010 verpflichtete. Immerhin unterbrach er damals eigens seinen Urlaub an der Mosel, um Barbaro in Mainz vorzustellen. Unbekannt war dieser damals nicht: Schon ab 2006 arbeitete der Mann mit den schwarzen Locken als Grundsatzreferent im Wirtschaftsministerium, ab 2008 dann als stellvertretender Zentralabteilungsleiter im Bildungsministerium.
Den Wechsel aus der Wissenschaft - Barbaro war ein Jahr Vertretungsprofessor für Finanzwissenschaft an der Uni Mainz - in die Politik hat der Sozialdemokrat vollzogen, weil er Ansätze der Volkswirtschaftslehre in praktisches Verwaltungshandeln transferieren wollte. "Ich fand es reizvoll, das zu lernen", erzählt er. Zupass kam ihm bei seiner Berufung zum Finanzstaatssekretär, dass für diese Position ausschließlich ein promovierter Volkswirt wie er infrage kam.
"Politisches Gespür muss man schon mitbringen", sagt er dazu. Allzu viel mit Parteiarbeit hat Barbaro nicht am Hut, obwohl er früher für die Jusos im Asta saß und im Kreisvorstand der SPD Mainz-Bingen ist. Seine große Stärke ist sein Fachwissen über Finanzen, und das bringt er ein.
Nachdem Salvatore Barbaro in den vergangenen Jahren die Fusion der Förderbank ISB mit der Landestreuhandbank federführend begleitete, verläuft sein neuester "Nebenjob" nicht so geräuschlos: Er spielt den Feuerwehrmann am Flughafen Hahn. Eine Tätigkeit, die seine Aufmerksamkeit fesselt - und öffentliche Aufmerksamkeit erregt.
"Ich bin gerne vor Ort", erzählt der junge Politiker. Er spricht jede Woche mit den Hahn-Mitarbeitern, dem Betriebsrat, der Geschäftsführung und den umliegenden Firmen. Das Sanierungskonzept muss umgesetzt und eine Geschäftsstrategie für die Zukunft ersonnen werden.
Ob Barbaro die Neuordnung am Flughafen Hahn ebenso erfolgreich wie bei der Landesförderbank ISB vorantreiben kann, steht noch in den Sternen. Gelingt ihm das, dürfte er jedenfalls neue Angebote bekommen, die er nicht ablehnen kann.Extra

Der Vertrag von Hahn-Geschäftsführer Heinz Rethage läuft am Jahresende aus. Aufsichtsratschef Salvatore Barbaro will ihn jedoch speziell für zwei Projekte weiterbeschäftigen. Zum einen geht es um einen Anschluss des Flughafens, der jedes Jahr von 8000 LKW Kerosin geliefert bekommt, an die drei Kilometer entfernte Nato-Pipeline. Rethage soll rechnen, ob sich die nötigen Millioneninvestitionen für eine Stichpipeline und den Bau eines Tanklagers rentieren könnten. Ferner soll Rethage sich darum kümmern, dass die Übertragung nicht-flugaffiner Liegenschaften - also Gebäude von Drittmietern wie Firmen - an den Landesbetrieb LBB gelingt. Bislang kümmert sich die Flughafen Hahn GmbH um das Immobilienmanagement. fcg