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"Der Reform-Flügel wird gestärkt"

"Der Reform-Flügel wird gestärkt"

Das Rennen um die Nachfolge von Grünen-Chef Reinhard Bütikofer bleibt spannend. Ein internes Treffen führender Vertreter des Realo-Flügels am Wochenende in Berlin brachte noch keine Klarheit in der Personalfrage.

Berlin. (vet) Während die Co-Vorsitzende Claudia Roth vom linken Flügel im Herbst erneut für das Amt kandidieren will, hatte Bütikofer seinen Rückzug angekündigt. Um seinen Posten bewerben sich der Europaabgeordnete Cem Özdemir und der Berliner Fraktionschef Volker Ratzmann. Mit Ratzmann sprach unser Berliner Korrespondent Stefan Vetter: Herr Ratzmann, sind Sie jetzt klüger, wer das Rennen machen könnte? Ratzmann: Das Rennen werden der Reform-Flügel und die Grünen insgesamt machen, weil wir zwei gute Kandidaten haben und weil wir zeigen, dass bei den Grünen innerparteiliche Demokratie auch wirklich gelebt wird. Teilnehmern zufolge sollen die Sympathien auf dem Realo-Treffen stärker bei Ihrem Konkurrenten Özdemir gelegen haben. Ratzmann: Das war eine parteiinterne Diskussion, und das sollte sie auch bleiben. Worin unterscheiden Sie sich politisch von Özdemir? Ratzmann: Wir bringen unterschiedliche politische Erfahrungen mit, weil wir auf unterschiedlichen Ebenen arbeiten. Ich habe in beiden Föderalismuskommissionen gearbeitet, die Berliner Fraktion geführt, in Ost-Berlin eine Direktmandat für die Grünen erobert und viel Erfahrung im direkten Umgang mit der Linkspartei. Soll heißen? Ratzmann: Wir haben in Berlin seit langem ein Fünf-Parteien-System und den Landesverband jenseits der SPD neu ausgerichtet. Erfahrungen, die wir auf der Bundesebene gut nutzen können. Verstehen Sie unter Neuausrichtung ein stärkeres Zugehen auf die CDU? In Berlin praktizieren Sie ja zuweilen eine Koalition in der Opposition. Ratzmann: Es wird darum gehen, den Partner zu finden, mit dem wir grüne Programmatik und Ziele am besten durchsetzen können. Ist die grüne Doppelspitze mit ihrem Links-Realo-Proporz eigentlich noch zeitgemäß? Ratzmann: Die Doppelspitze sichert, dass immer eine Frau mit an der Spitze der Partei steht. Das hat sich bewährt. Wir meinen es ernst mit der Chancengleichheit.Wie geht es jetzt beim Kandidaten-Rennen weiter? Ratzmann: Beide Kandidaten werden sich bis zum Parteitag in den Landesverbänden vorstellen. Dort werden wir über Perspektiven und Strategien diskutieren. Das ist eine Stärkung des Reform-Flügels und damit auch ein Gewinn für die Grünen.