Der reinste Schwachsinn

Eltern, die ihre Kinder verwahrlosen lassen, sollte der Staat stärker zur Verantwortung ziehen. Ein guter Gedanke, aber wahrlich kein neuer. Ausgesprochen hat ihn Markus Söder, Generalsekretär der CSU. Dem christlich-sozialen Franken sind das Wohl der Familie und die Erziehung der Kinder offenbar eine Herzensangelegenheit. Tatsächlich? Wenn dem so wäre, hätte es der 36-Jährige bei seiner Forderung nach mehr staatlicher Kontrolle der Familien schlicht belassen können. Aber Söder fordert im selben Atemzug ein gesetzliches Ausgehverbot für Kinder bis 14 Jahre. Nach 20 Uhr sollen sie nur noch in Begleitung Erwachsener unterwegs sein dürfen. Ein formidabler Unsinn! Davon abgesehen, dass die Einhaltung eines solchen Gesetzes nicht zu kontrollieren wäre (oder will Söder noch eine Kinder-Polizei einführen?), ist der Vorschlag auch von der Begründung her der reinste Schwachsinn: Es mag ja stimmen, dass 14-Jährige immer öfter zu Waffen und Drogen greifen und immer mehr Körperverletzungen begehen. Eine Ausgangssperre ab 20 Uhr dürfte daran aber kaum etwas ändern: Wer auf die schiefe Bahn gerät, ist dabei nicht an eine Uhrzeit gebunden. Der Stammtisch-Vorschlag zeigt vor allem: Nicht Familiepolitik liegt Markus Söder am Herzen, sondern in erster Linie er sich selbst. Denn er hat es vor allem geschafft, seinen Namen ein Wochenende lang durch die Medien zu jagen und ein wenig bekannter zu machen. Der CSU-Generalsekretär, seit Oktober 2003 im Amt, muss sich halt profilieren. Dass ihm kein populistisches Mittel zu billig ist, um bekannt zu werden, haben schon seine bisherigen bahnbrechenden politischen Initiativen gezeigt: Mal kämpfte er in vorderster Front für das Sandmännchen, mal gegen die neuen Mainzelmännchen. Und dann forderte er noch, den Solidarzuschlag-Ost zu streichen, wenn dort weiter so viel PDS gewählt würde. Vielleicht sollte sich die CSU nach einer Erwachsenenbegleitung für Markus Söder umsehen - aber bitte rund um die Uhr. m.schmitz@volksfreund.de