Der Skandal dauert an

Verständlich, dass ein Raunen durch die Reihen im Trierer Landgericht ging, als die taffe Staatsanwältin im "Bungee-Prozess" auf die ihrer Meinung nach angemessene Bestrafung zu sprechen kam: Fünf Mal Gefängnis ohne Bewährung, das ist kein Pappenstiel und deutlich mehr, als die meisten Prozessbeobachter erwartet haben.

Immerhin: Vor einer (kleinen) Ausnahme abgesehen ist keiner der Schausteller vorbestraft; und die Katapult-Eigentümer waren nicht einmal vor Ort, als das Dauner Unglück passierte. Ungewöhnlich im deutschen Justizalltag, dass die Betroffenen gleich beim ersten "Fehltritt" hinter Gitter sollen. Andererseits: Ein junges Mädchen wurde getötet, ihre beste Freundin physisch und psychisch verletzt - zwei Familien, deren Mitglieder wohl ihr Leben lang mit dem Trauma des Erlebten fertig werden müssen. Dass es dazu kam, war kein Zufall: Am Bungee-Katapult, das wurde im Prozess vor dem Trierer Landgericht überdeutlich, hatten Leichtsinn und Schlampigkeit Methode, war es letztlich nur eine Frage der Zeit, bis das riskante Spiel mit der Angst ins Auge gehen würde. So etwas muss bestraft werden und nicht nur nach dem Motto: "Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen." Mit dem bevorstehenden Urteil gegen die Schausteller aber kann der "Bungee-Fall" nicht zu Ende sein. Denn noch immer stehen solche "Todesmaschinen" auch auf deutschen Rummelplätzen - mit dem Segen von Überwachungsvereinen und Baubehörden, die offenbar unfähig sind, ein bekanntes Sicherheitsrisiko zu entschärfen. Das ist nicht nur skandalös, das ist unglaublich. Auch deshalb darf die Staatsanwaltschaft keine Ruhe geben. Auf die Anklagebank und bestraft gehören auch jene, die solchen Geräten einen Unbedenklichkeits-Stempel verpassen. r.seydewitz@volksfreund.de