Der Spalter

Wer nicht für ihn sei, sei gegen ihn - und das ganze Land. Auf diesen Nenner bringt US-Präsident Bush die innenpolitische Debatte um den Irak-Krieg. Diese Argumentationsweise ist bekannt, unterteilte sie doch bereits die Mitglieder der Weltgemeinschaft in "Freund" und "Feind", als es um die Unterstützung der "Koalition der Willigen" zu Beginn des Feldzugs gegen Saddam Hussein ging.

Die Nation nun so zu spalten und Kritikern im Prinzip nichts anderes als Vaterlands-Verrat vorzuwerfen, zeigt die innere Verzweiflung eines Präsidenten, der auf dem besten Weg ist, das politische Kapital seiner zweiten Amtszeit zu verspielen. Umgeben von zweifelhaften Beratern, deren Verhalten bereits den Argwohn der Justiz erregt hat, und konfrontiert mit Umfragen, denen zufolge sechs von zehn Amerikanern Bush Unwahrhaftigkeit vorwerfen, fehlt dem Präsidenten jegliche Strategie zur erfolgreichen Vorwärts-Verteidigung. Das geschieht nicht mangels Alternativen, sondern aufgrund Bushs Unwillen und Unfähigkeit, Fehler einzugestehen - beispielsweise mit einem "mea culpa" und der Ankündigung, alles zu tun, um die zweifelhafte Rolle des US-Geheimdienstes im Vorfeld des Irak-Kriegs aufzuklären. nachrichten.red@volksfreund.de