Der "Stoibär" als Maskottchen

Der "Stoibär" als Maskottchen

"EDMUND, EDMUND, Edmund" - solche Rufe ist Stoibers Edi früher gewohnt gewesen. Und heute? Beim Geburtstagsempfang der CSU-Landesgruppe Anfang der Woche rührten sich kaum Hände. Nachträglich bekam der Vorsitzende von den Abgeordneten einen kleinen, weißen Berliner Keramik-Bären mit blau-weißer Schärpe geschenkt.

Angela Merkel, die Kanzlerin, witzelte draufhin: "Ein Bär mit Symbolik, der Stoibär." Im bayerischen Landtagswahlkampf 2003 habe sie das plüschige CSU-Maskottchen leider nur mit der Nummer 5367 erhalten, schmunzelte Merkel. Anschließend meinte sie noch: "Du hast viel von Franz Josef Strauß gelernt" - ein Kompliment? LANGSAM IST das erste Jahr der großen Koalition um. Das sei "ein Viertel der Größten Anzunehmenden Gesamt-Amtszeit" formulierte FDP-Chef Guido Westerwelle. Der Liberale fügte hinzu, abgekürzt heiße das "GAGA". Westerwelle präsentierte den Gag kürzlich mit einer gewissen Erwartungshaltung vor Journalisten und war sichtlich froh, als gelacht wurde. "Ja, wir sind auch stolz auf die Formulierung", sagte er. In der großen Berliner Politik geht es eben manchmal zu wie im Kindergarten. NORBERT RÖTTGEN, erster parlamentarischer Geschäftsführer der Unionsfraktion, wurde in dieser Woche gefragt, wie viele Abgeordnete seiner Fraktion gegen den Gesundheitskompromiss stimmen würden. Er müsse das schließlich wissen, er sei doch ein "intelligenter Mensch". Daraufhin antwortete Röttgen: "Ich finde es gut, dass sie Ämter mit Intelligenzquotienten verbinden. Mit war der Glaube daran in letzter Zeit abhanden gekommen." BÄRBEL HÖHN, ehemalige Ministerin aus NRW und inzwischen stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, war in dieser Woche in Feierlaune. Denn die anderen Fraktionen hatten durchblicken lassen, sie würden sich ihrer Initiative eines Verbotes für Robbenfellimporte anschließen. Also holte Höhn tief Luft - und ließ am Brandenburger Tor eine fünf Meter große Plastikrobbe aufblasen. VIELLEICHT KÖNNTE Angela Merkel noch etwas lernen, wenn sie kommenden Donnerstag ins Willy-Brandt-Haus eilt. Dort stellt Vorgänger Gerhard Schröder sein Buch über die sieben rot-grünen Regierungsjahre vor: "Entscheidungen. Mein Leben in der Politik", heißen die Memoiren. Eine Teilnahme der Kanzlerin an der Vorstellung des Buchs sei nicht vorgesehen, ließ Vize-Regierungssprecher Thomas Steg am Freitag wissen. Ihm sei auch nicht bekannt, dass es im Kabinett bereits Sammelbestellungen für die Schröder-Memoiren gebe. Hagen Strauß