Der Teufelskreis

Ein Glück, dass die Hauptschulen endlich auf den Tisch hauen. Zu lange haben sie still ihre Rolle als Reparaturbetrieb des Bildungssystems gespielt, aus Angst, den Weg zur "Restschule" durch eine ehrliche Bestandsaufnahme selbst zu beschleunigen.

So sind sie immer weiter in die Funktion des Auffanglagers geraten, was wiederum dazu geführt hat, dass Eltern, denen die Zukunft ihres Kindes nicht egal ist, um nahezu jeden Preis eine andere Schulform wählen. Die schwer Beschulbaren, die sprachlich Benachteiligten, die sozial Schwierigen aber bleiben. Das wiederum macht es für die Leistungsfähigeren, die es auch gibt, schwierig, im Schulalltag motiviert und qualifiziert zu arbeiten. Das drückt auf den Erfolg. Mit der Konsequenz, dass nur noch die Elite der Hauptschüler eine Chance auf eine Lehrstelle hat. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden. Dabei helfen Schuldzuweisungen nicht das Geringste. Es gibt keine einfachen Erklärungen, kein Schwarz und Weiß. Natürlich sind da auch Schüler, die keinen Bock haben und nicht integrierbar sind. Aber die meisten sind einfach nicht so gut, nicht so klug, nicht so schnell wie andere. Oder einfach später an. Das gab es früher auch. Damit ließ sich kein Top-Job ergattern, aber doch zumindest eine Lehre und später vielleicht eine einfache Arbeit. Die aber gibt es nicht mehr. Jedenfalls nicht da, wo Marktgesetze gelten. Wenn es aber normal ist, dass kein Betrieb mehr einen 15-jährigen Hauptschul-Absolventen als Lehrling nimmt, wenn er eine Fünf auf dem Zeugnis hat: Was machen wir denn mit all denen, die leider nicht gut sind in Deutsch oder Mathe? Und denen daheim niemand geholfen hat, besser zu werden? Hartz IV bis ans Lebensende? Ab auf den Müllplatz der Gesellschaft? Es bleibt wichtig, dass die Schulen alles unternehmen, um ihre Schüler auf das Berufsleben vorzubereiten. Es bleibt wichtig, dass die Wirtschaft vieles tut, um die Ausbildungsbereitschaft ihrer Betriebe zu stimulieren. Aber das bleibt ein Herumdoktern an Symptomen. Nötig wäre, wieder mehr einfache Arbeit zu schaffen. Nötig wäre, das Schulsystem so umzukrempeln, dass es nicht den schwächeren Teil seiner Schüler systematisch ins Abseits schickt. Die stigmatisierte Hauptschule dabei einfach zu eliminieren, wäre etwa so intelligent wie das Abschaffen von Aschenbechern in der Hoffnung, dann würde das Rauchen eingestellt. Sie in ihrer jetzigen Lage zu belassen, ist freilich unverantwortlich. d.lintz@volksfreund.de