Der Traum vom sanierten Theater

Der Traum vom sanierten Theater

Bundesweit gibt es massiven Sanierungs- oder Neubaubedarf für Theater, Konzertsäle und Museen. Doch die Mittel dafür fehlen. Grund für Städte wie Trier, über die Einbeziehung privater Kooperationspartner nachzudenken. Aber Erfolge auf diesem Sektor sind bislang rar.

Trier. (DiL) Der Gedanke ist verführerisch: Die 20 Millionen Euro, die der Stadt Trier fehlen, um ihr Theater zu sanieren, werden mit Hilfe von Public-private-Partnership aufgebracht. Die Idee von Kulturdezernent Thomas Egger könnte praktisch etwa so aussehen: Die Stadt verkauft das Gebäude zu einem niedrigen Preis an einen Investor, der übernimmt die Sanierung und least den Komplex an die Stadt über einen festgelegten Zeitraum zu einer festgelegten Miete zurück.

Klingt theoretisch gut - und wird derzeit landauf, landab bei jeder Theatersanierung als Option geprüft, allerdings letztlich so gut wie immer abgelehnt. Denn die finanzielle Kalkulation geht nur auf, wenn der Investor mit dem Haus gutes Geld verdienen kann, und das verträgt sich nicht mit dem Anspruch einer unabhängigen Kulturinstitution.

Um etwa die in Trier nötigen Investitionen voll zu refinanzieren, müsste die Leasingrate die Kredit- und Tilgungskosten für den Investor, die laufenden Ausgaben für den Unterhalt sowie die Gewinnmarge des privaten Partners und den künftigen baulichen Substanzerhalt abdecken. Da ist man flugs bei mehr als zwei Millionen Euro pro Jahr.

Das hieße: mindestens eine Million Euro zusätzlich für den Stadtsäckel - sofern man das Land überzeugt, für einen sehr, sehr langen Zeitraum die andere Hälfte zu übernehmen, was keineswegs als gesichert angesehen werden kann.

Wer ist am Ende der Herr im Haus?



Eher bezahlbar, vielleicht sogar kostensparend wäre die Sache, wenn es zusätzliches Geld zu verdienen gäbe. Aber ein Theater-Bistro spült wohl kaum die nötigen Umsätze in die Kasse. Anders sähe es allenfalls aus, wenn der künftige Eigentümer das Haus großflächig auch für profitable Eigenveranstaltungen verwenden könnte. Konzerte, Boulevard-Gastspiele, Festivitäten. Aber dann wäre das Theater nicht mehr Herr im eigenen Haus, im Gegenteil: Es müsste populäre Konkurrenz fürchten, die den Rahm abschöpft.

An dieser Stelle ist beispielsweise die Stadt München aus der PPP-Sanierung des Deutschen Theaters ausgestiegen. "Das wäre nur unter Aufgabe der künstlerischen Hoheit gegangen, und das wollte der Stadtrat nicht", heißt es beim Münchner Kommunalreferat.

Auch in Heidelberg, wo das Haus so marode war, dass die Spielzeit abgebrochen werden musste, hat man sich nach langer Prüfung gegen PPP und für ein Bürgerstiftungsmodell entschieden. Was allerdings nur möglich wurde, weil ein reicher Mäzen 13 Millionen Euro auf den Tisch legte - in Trier wurde ein solcher noch nicht gesichtet.

Und wo PPP-Kultur-Großprojekte zustande kommen, ist es auch nicht unbedingt ermutigend: Bundesweit Furore macht dieser Tage die Hamburger Elbphilharmonie. Sie sollte ursprünglich 77 Millionen Euro kosten, liegt jetzt bei 330 Millionen, Tendenz steigend. Der Hamburger Senat und sein PPP-Partner "Hochtief" führen Kleinkrieg. Urteil der Presse: Das Projekt sei "völlig außerhalb jeder Kontrolle geraten".

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