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Umwelt
Der Verkehr soll sauberer werden

Dass die Städte – vor allem in Ballungszentren wie hier in Düsseldorf – unter dem Schadstoffausstoß der Autos leiden, ist unstrittig. Gestritten wird aber darüber, wie das Problem gelöst werden kann. Eine Option:  Diesel-Fahrverbote.
Dass die Städte – vor allem in Ballungszentren wie hier in Düsseldorf – unter dem Schadstoffausstoß der Autos leiden, ist unstrittig. Gestritten wird aber darüber, wie das Problem gelöst werden kann. Eine Option:  Diesel-Fahrverbote. FOTO: Martin Gerten / dpa
Bernkastel-Kues. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund hat in Bernkastel-Kues über die Folgen von Diesel-Fahrverboten diskutiert. Von Bernd Wientjes

Droht in Bernkastel-Kues auch ein Diesel-Fahrverbot? Ganz ausschließen will das Ulf Hangert nicht. Zwar sei der Verkehr in der Moselstadt sicher nicht zu vergleichen mit dem in Ballungsgebieten wie in Stuttgart, sagt der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues. Doch wenn die Flusskreuzfahrt-Schiffe am Moselufer anlegten, würden die laufenden Dieselgeneratoren auch Schadstoffe ausstoßen. Hangert und sein Kollege Ingo Hacker, Bürgermeister der baden-württembergischen Stadt Neuhausen auf den Fildern, wissen, dass das Beispiel womöglich etwas überspitzt ist. Doch es zeige, so Hacker, dass die drohenden Dieselfahrverbote kein „Allheilmittel“ seien.

Das Thema stand auf der Tagesordnung des Ausschusses für Wirtschaft, Tourismus und Verkehr des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, der zwei Tage in Bernkastel-Kues im Zylinderhaus getagt hat. Das Ambiente des Museums ist passend: Über 100 Oldtimer deutscher Autobauer sind in dem imposanten Gebäude vor den Toren der Stadt ausgestellt. Das zeige, so Ausschussvorsitzender Hacker, welche Bedeutung die Autoindustrie in Deutschland schon immer gehabt habe. Und diese würde natürlich auch von einem Fahrverbot für Dieselautos getroffen.

Auch wenn vor allem deutsche Autobauer nicht ganz unbeteiligt sind an dem Dilemma, in dem sich viele deutsche Großstädte befinden. Vielerorts werden die Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft regelmäßig überschritten – vor allem wegen des Ausstoßes aus Dieselfahrzeugen. Daher müsse die Autoindustrie auch dafür sorgen, dass die Fahrzeuge durch eine entsprechende Nachrüstung wieder sauberer werden. „Nur so kann die Luftverschmutzung an der Quelle bekämpft werden“, sagt Hacker.

Sauberere Autos sind das eine. Ziel müsse es aber auch sein, den Verkehr in den Städten zu reduzieren. Daher, so die Forderung des Ausschusses, müsse auch der öffentliche Nahverkehr ausgebaut werden. „Pendler, die derzeit noch auf ihr Auto angewiesen sind, werden erst dann umsteigen, wenn sie gute Alternativen haben“, sagt Hacker. Gerade in ländlichen Regionen wie etwa an der Mosel oder in der Eifel müsse man über neue Angebote wie etwa per Smartphone bestellbare Ruf-Busse nachdenken.

Für ein besseres Angebot seien aber mehr Busse und Bahnen und mehr Personal notwendig. „Das gibt es nicht zum Nulltarif.“ Bereits jetzt koste der öffentliche Nahverkehr in Deutschland rund 13 Milliarden Euro pro Jahr. Daher müsse der Bund den Kommunen schnell und unbürokratisch Geld zur Verfügung stellen, um das Angebot an Bussen und Bahnen deutlich auszubauen und bestehende Fahrzeuge nachzurüsten, um sie sauberer zu machen.

Derzeit sind rund 22 000 Dieselbusse im Nahverkehr in ganz Deutschland unterwegs. Nach Expertenansicht sind diese für rund 20 Prozent des Schadstoffausstoßes verantwortlich. Allerdings gibt es bislang wenig Alternativen. Noch gebe es keine Serienmodelle von Elektrobussen aus deutscher Herstellung, sagt Hacker.

Trotzdem führe kein Weg daran vorbei. Der Verkehr müsse sauberer werden. Man brauche eine echte Verkehrswende. Dazu zähle auch der Ausbau von Radwegen in den Städten und der Elektromobilität. Ebenso die Reduzierung von Staus – etwa durch intelligentere Ampelschaltungen. Die Kommunalpolitiker, die sich in Bernkastel-Kues versammelt haben, sind sich aber einig, dass all diese Maßnahmen kurzfristig nicht greifen werden. Daher haben sie sich auch damit auseinander gesetzt, was Fahrverbote bedeuten würden. Falls es dazu kommt, dass Dieselautos nicht mehr in bestimmte Städte reindürfen, dann müsse das elektronisch kontrolliert werden, sagt Hacker. „Die Kommunen werden jedenfalls nicht der Vollstrecker der Fahrverbote werden.“