Welthandel: Der verschobene Handelskrieg

Welthandel : Der verschobene Handelskrieg

Nachdem US-Präsident Donald Trump seine Aktion Strafzölle für einen Monat ausgesetzt hat, liegt der Ball nun in Brüssel.  Washington wartet auf ein Angebot der EU. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier zeigt sich verhandlungsbereit.

US-Präsident Donald Trump hat entschieden, die angedrohten Schutzzölle auf Stahl und Aluminium aus Europa noch nicht zum 1. Mai zu erheben, sondern der EU einen Monat mehr Zeit für Verhandlungen zu geben. Der Ball liegt jetzt in Brüssel (siehe eigenen Bericht unten). Dort verlangt man von Washington eine dauerhafte Befreiung von den geplanten Zöllen. Dies forderte gestern auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). Eine weitere Fristverlängerung werde es nicht geben, hieß es demgegenüber im Umfeld der US-Regierung. Die Zeit läuft also.

Bisher ist es der EU immerhin gelungen, gegenüber Washington geschlossen aufzutreten, wie Altmaier am Dienstag in einer ersten Stellungnahme hervorhob. Das will man unbedingt fortsetzen. Emmanuel Macron und Angela Merkel waren nacheinander nach Washington gefahren und hatten den Präsidenten vor einem Handelskrieg gewarnt. Zugleich hatte Brüssel eigene Folterwerkzeuge hervorgeholt und sie den Amerikanern gezeigt: Importzölle, die vor allem Produkte aus jenen Regionen Amerikas getroffen hätten, in denen viele Leute Trump wählen. Darunter Whiskey, Jeans und Erdnussbutter. Den US-Kompromissvorschlag, für Stahl- und Aluimporte eine zollfreie Obergrenze von 90 Prozent der 2017 eingeführten Mengen zu bestimmen, lehnt die EU ab. Altmaier sagte auch gestern, das sei nicht mit den Regeln der Welthandelsorganisation WTO vereinbar.

Doch Trump wird nicht nachlassen, zumal sein eigentliches Ziel gar nicht die Stahl- und Aluminiumimporte aus Europa sind. Die sind nur ein Beifang im amerikanischen Handelskrieg mit China. Trump geht es um den hohen europäischen und vor allem deutschen Handelsbilanzüberschuss, vor allem bei Automobilen, aber auch in anderen Bereichen. Altmaier sagte hierzu, die EU sei bereit, die Gespräche mit den USA fortzusetzen, die in Verhandlungen münden könnten. Ziel müsse es sein, Zölle zu senken oder abzuschaffen, statt sie zu erhöhen. Es gehe aber nicht um ein so umfassendes Vertragswerk wie es das im letzten Jahr gescheiterte transatlantische Handelsabkommen TTIP gewesen wäre. Die EU-Handelsminister würden demnächst über ihre Linie beraten.

Im Kanzleramt sprach man von einer „positiven Handelsagenda“, die jetzt entwickelt werden solle. Die Grünen kritisierten Altmaier, weil er Trump ein „TTIP-light“ anbiete. „Mit Trump kann man nur auf Augenhöhe verhandeln“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. „Unterwürfigkeit ist das völlig falsche Signal.“ Europa solle hart bleiben und zum Beispiel von Trump ein Bekenntnis zu den Pariser Klimazielen verlangen.

Wichtige Wirtschaftsverbände forderten, die Situation zu nutzen, um mit den USA über ein umfassendes Handelsabkommen zu beraten. „Die aktuelle Situation zeigt: Wir brauchen einen neuen Anlauf für ein umfangreiches, transatlantisches Handelsabkommen“, erklärte DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Neben Zöllen gebe es auf US-Seite auch Handelshemmnisse wie lokale Zertifizierungen oder unnötige Sicherheitsanforderungen. Schweitzer: „Kleinteilige Zollvereinbarungen sind der falsche Weg und wären für uns jedenfalls ein schlechter Deal.“ Ähnlich der Verband der Maschinenbauer, dessen Hauptgeschäftsführer Thilo Brodtmann die EU aufforderte, in die Offensive zu gehen. „Ziel muss ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA sein, das Zölle und andere Handelshemmnisse abbaut, statt neue Mauern zu errichten.“ Der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie, Utz Tillmann, forderte ebenfalls, die Verhandlungen nicht nur auf Industriezölle zu beschränken. „Im internationalen Handel spielen auch andere Themen eine wichtige Rolle.“

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