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Der Wahlkampf 2017 wird völlig anders werden

Der Wahlkampf 2017 wird völlig anders werden

Schon während der letzten Landtagswahlkämpfe in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern berichteten viele Wahlkämpfer von aggressiven Auseinandersetzungen, von Beleidigungen und Pöbeleien an den Info-Ständen. Die Union ist gewarnt. Im Konrad-Adenauer-Haus blickt man mit Sorge auf das, was im Bundestagswahlkampf auf die Mitglieder zukommen könnte. Erst recht, da Angela Merkel wieder als Kanzlerkandidatin ins Rennen geht.

Berlin. Im nächsten Jahr betritt die Regierungschefin "Neuland" - es wird ihre erste Wahlauseinandersetzung sein, in der sie einen extremen "Zweifrontenkampf" führen muss, wie es aus ihrem Umfeld heißt. Gegen die AfD rechts, gegen Rot-Rot-Grün links. Merkels Satz an die Bürger, "Sie kennen mich", mit dem sie 2013 im Duell gegen SPD-Mann Peer Steinbrück ihre Wiederwahl sicherte, zieht nicht mehr. Im Gegenteil: Sie polarisiert wie noch nie zuvor in ihrer Amtszeit. Die kuscheligen Wellness-Wahlkämpfe sind vorbei. Deshalb will die Union auf Merkel allein den Wahlkampf nicht zuschneiden, auch wenn mit ihr der Faktor "Stabilität" betont werden soll.
Um die vermeintlich Frustrierten in der Gesellschaft "abzuholen", setzt man auf die traditionellen Themen beim Parteitag in Essen Anfang Dezember und danach bis zur Bundestagswahl: Den Ausbau der inneren Sicherheit, die stärkere Begrenzung der Zuwanderung und ganz konkret ein Verbot der Vollverschleierung, wo es rechtlich möglich ist.
Solche Beschlüsse und Vorhaben sind nur die eine Seite der Medaille. Auf der anderen müssen die Mitglieder im Straßenwahlkampf für die Inhalte werben. Und für die Spitzenkandidatin Merkel. In der Union gibt man unverhohlen zu, dass das schwierig und hart wird.
Vor allem die Jüngeren in der Partei werden im kommenden Jahr wohl zum ersten Mal erleben, wie es ist, wenn bei öffentlichen CDU-Veranstaltungen jemand lauthals und aggressiv schreit: "Merkel muss weg!" Zuletzt gab es das bei Helmut Kohl.

Aber die Union treibt auch eine mögliche Einflussnahme von außen über das Internet um. Im US-Wahlkampf hat sich gezeigt, wie ausländische Hacker Infos streuten oder manipulierten, die vor allem Hillary Clinton schadeten. Das könnte auch in Deutschland passieren. Deshalb wird derzeit nach einer Strategie gesucht, wie die CDU auf die ungefilterte Verbreitung von Falschnachrichten im Netz in der heißen Phase des Wahlkampfes reagieren kann. Andere wird das nicht abhalten, auf diese Art der Meinungsmanipulation zu setzen. Fazit: Der Wahlkampf 2017 wird komplett anders - auf der Straße und in der digitalen Welt. Hagen Strauß