Desinformationspolitik

Was sich die deutschen und luxemburgischen Behörden derzeit leisten, ist schon ein Stück aus dem politischen Tollhaus: Die eine Seite warnt vor dem Verzehr von Mosel- oder Sauer-Fischen, die andere Seite wiegelt ab. "Äußerste Vorsicht", schallt es aus dem großherzoglichen Gesundheitsministerium, "alles halb so wild", beschwichtigen die deutschen Kollegen. Dass das Mainzer Umweltministerium dabei auf ein zehn (!) Jahre altes Merkblatt verweist, muss selbst gutgläubige Zeitgenossen stutzig machen. Hat eine Landesbehörde in einem solch brisanten Fall wirklich nichts Aktuelleres zu bieten? Das wäre beschämend. Die Studien aus Luxemburg immerhin sind jüngeren Datums. Doch auch im Großherzogtum wurde geschlampt. Wenn die Informationen über die Moselfische schon so brisant sind, dass anschließend Verbote ausgesprochen werden: Warum hat sie das zuständige Innenministerium dann nicht eher veröffentlicht und monatelang unter Verschluss gehalten? Die Sache stinkt - hüben wie drüben. Eines immerhin haben beide Seiten mit ihrer chaotischen Informationspolitik erreicht: Angler, Gastronomen und Verbraucher sind völlig verunsichert - ebenfalls hüben wie drüben. Höchste Eisenbahn, dass die Desinformationspolitik beendet wird. Die Betroffenen haben ein Recht auf klare und und vor allem glaubwürdige Auskünfte. r.seydewitz@volksfreund.de