Deutschland ist kein Musterknabe

Deutschland ist kein Musterknabe

Korruption ist in Dänemark, Finnland und Neuseeland nach Einschätzung von Transparency International fast unbekannt. Deutschland landet auf Rang 16 unter 180 Staaten.

Berlin. (vet) Der vor fast einem Jahr bekanntgewordene Schmiergeld-Skandal bei Siemens hat nicht nur dem Münchner Traditionsunternehmen geschadet. Nach Einschätzung des Vorsitzenden von Transparency International (TI) Deutschland, Hansjörg Elshorst, wird Deutschland deshalb auch in dem von der Anti-Korruptions-Organisation regelmäßig erstellten Länder-Index abrutschen, der sich mit Schmiergeldzahlungen von Firmen im Ausland beschäftigt. Unter 125 Staaten liegt Deutschland hier noch auf Platz sieben. Die Liste wird im kommenden Jahr aktualisiert. Nach wie vor halte sich in der Wirtschaft hartnäckig die Meinung, in manchen Ländern bestechen zu müssen, um überhaupt Geschäfte machen zu können, heißt es in einer Analyse der Organisation, die gestern in Berlin vorgestellt wurde. Dabei seien Bestechungen im Ausland seit 1999 in 33 Staaten, darunter auch Deutschland, gesetzlich verboten. Verurteilungen habe es hierzulande jedoch nur in wenigen Fällen gegeben, klagt Transparency. Dank der Ermittlungen gegen Siemens registriert die Organisation allerdings einen gewissen Stimmungswandel: "Immer mehr Unternehmen werden sich des größeren Risikos bewusst, entdeckt und verfolgt zu werden." Zur Durchsetzung des Verbots der Auslandsbestechung schlug TI-Chef Elshorst darüber hinaus vor, schwarze Schafe in einem Zentralregister zu erfassen und von einer öffentlichen Auftragsvergabe vorübergehend auszunehmen. In einem weiteren regelmäßigen Vergleich, der von Transparency unter dem Aspekt der Bestechlichkeit von Politik und Verwaltung erstellt wird, liegt Deutschland aktuell nach wie vor auf Rang 16 von 180 erfassten Staaten. Am besten schneiden Dänemark, Finnland und Neuseeland ab. Schlusslichter sind Irak, Birma und Somalia. Das eher mäßige Abschneiden Deutschlands im Vergleich zu anderen Industriestaaten führte Elshorst vornehmlich auf eine mangelnde Transparenz der Verwaltung zurück.

Mehr von Volksfreund