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Diagnose Mitgliederschwund: Nur Grüne und Piraten legen noch zu - Trierer Professor: Trend nicht zu stoppen

Trier. Die Parteien verlieren weiter an Mitgliedern. Einzig die rheinland-pfälzischen Grünen und die Piratenpartei haben zuletzt noch zugelegt. Allerdings trennen sie Welten vom Mitgliederbestand der beiden großen Parteien. Rolf Seydewitz

Mitgliederschwund? Da kann Ingo Sauer, der Sprecher der rheinland-pfälzischen Piraten, nur schmunzeln. "Wir machen derzeit extra keine Mitgliederwerbung", sagt Sauer, "weil wir alle Hände voll zu tun haben, unsere neuen Mitglieder einzugliedern." Seit die Piratenpartei im September ins Berliner Abgeordnetenhaus gewählt wurde, sind auch in Rheinland-Pfalz die Mitgliederzahlen nach oben geschnellt: von 525 auf jetzt 762. Das ist ein Plus von etwa 50 Prozent. Damit sind die Piraten ziemlich allein auf weiter Flur. Einzig die rheinland-pfälzischen Grünen konnten die Zahl ihrer Mitglieder in den zurückliegenden zwölf Monaten noch erhöhen - von 2553 auf jetzt über 2800.Alle anderen rheinland-pfälzischen Parteien treten auf der Stelle oder verlieren Mitglieder. Hauptgrund: "Die Parteien haben ein riesiges Rekrutierungsproblem", sagt der Trierer Politikprofessor Uwe Jun. "Die jüngeren Leute treten kaum noch Parteien bei, und die Älteren werden aus biologischen Gründen halt weniger." Jun glaubt nicht, dass dieser Trend noch zu stoppen ist. "Es spricht wenig dafür, dass die Mitgliederpartei ein Comeback erleben wird", sagt der Trierer Parteienforscher.
Die Sprecher von CDU und SPD sind derweil schon damit zufrieden, den Abwärtstrend bei den Mitgliederzahlen gebremst zu haben. Die Christdemokraten sind mit 47.000 Mitgliedern immer noch die mitgliederstärkste Partei in Rheinland-Pfalz, gefolgt von SPD (42.000), FDP (knapp 5000), Grünen und Linken (1737).
Bei den Liberalen dürfte der personelle Aderlass 2011 am größten gewesen sein, auch wenn Landeschef Volker Wissing die genauen Zahlen noch nicht kennt und meint: "Eine Austrittswelle hat es nicht gegeben." Bundesweit verlor die FDP im vergangenen Jahr 7,5 Prozent der Mitglieder, es war der stärkste Rückgang seit 15 Jahren.