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Die alten Schriften sind Hunderte Millionen Euro wert

Die alten Schriften sind Hunderte Millionen Euro wert

Die arme und hoch verschuldete Stadt Trier könnte alle Schulen in ihrer Trägerschaft sanieren, alle Straßen ausbauen und auch noch ein neues Theater bauen, wenn sie einige ihrer unschätzbar wertvollen Schriften verkaufen könnte oder wollte. Doch davon kann keine Rede sein.

"Zuerst einmal dürfen nationale Kulturgüter nicht einfach so verkauft werden", erklärt Michael Embach, der Leiter der Stadtbibliothek. "Außerdem ist noch niemals ein Verantwortungsträger im Rathaus auf diese Idee gekommen."
Die Stadt Trier hat 2009 Inventur gemacht und ihr Vermögen katalogisiert. Die in der Stadtbibliothek ruhenden Werke erzielten astronomisch hohe Werte. 30 Millionen Euro ist allein der Codex Egberti wert. "Man kommt auf eine solche Summe, wenn man den Markt für Handschriften jahrzehntelang beobachtet", erklärt Archivdirektor Reiner Nolden. "Für den Codex Egberti sind 30 Millionen eher noch zu wenig." Denn dieses Hauptwerk umfasst 60 postkartengroße Bilder. "Einen besseren Bildzyklus aus dieser frühen Zeit gibt es schlichtweg nicht", so Nolden. "Jedes einzelne dieser Bilder würde auf dem Markt wesentlich mehr als 500 000 Euro bringen." Das Ada Evangeliar wird mit 20 Millionen Euro beziffert, die Trie rer Apokalypse mit 15 Millionen. Alle Kunstgegenstände im Eigentum der Stadt Trier sind 231 Millionen Euro wert.
Der Verkauf ist verboten


Selbst wenn sie es wollte, was nicht der Fall ist, könnte die Stadt Trier ihre Investitionsstaus und Geldsorgen nicht mit einem Verkauf dieser Schätze lösen. Das Kulturschutzgesetz verhindert solche Verkäufe. In jedem Bundesland werden Bücher, Handschriften und Kunstwerke, deren "Abwanderung aus dem Geltungsbereich dieses Gesetzes einen wesentlichen Verlust für den deutschen Kulturbesitz bedeuten würde", in das Verzeichnis national wertvollen Kulturguts und das Verzeichnis national wertvoller Archive aufgenommen.
Wer solches Kulturgut ohne Genehmigung des jeweiligen Bundeslandes ausführt und aus Deutschland herausbringt, riskiert eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe. Deshalb bleiben die wertvollen alten Schätze in Trier. jp