Die andere Ukraine

Der Mensch neigt bekanntlich zur Vergesslichkeit. Noch vor wenigen Monaten waren wir tief beeindruckt von der "orangenen Revolution" in der Ukraine. Inzwischen verbinden sich mit der einstigen Sowjetrepublik scheinbar nur noch kriminelle Machenschaften, die von Schleusern und Schwarzarbeitern in Szene gesetzt wurden.

Der Mensch neigt bekanntlich zur Vergesslichkeit. Noch vor wenigen Monaten waren wir tief beeindruckt von der "orangenen Revolution" in der Ukraine. Inzwischen verbinden sich mit der einstigen Sowjetrepublik scheinbar nur noch kriminelle Machenschaften, die von Schleusern und Schwarzarbeitern in Szene gesetzt wurden. Volmer-Erlass, lasche Visa-Praxis, parlamentarischer Untersuchungsausschuss lauten die gängigen Schlagworte. Da ist es gut zu wissen, dass der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko in Berlin weilt, um das politische Bild wieder etwas ins Lot zu bringen. Jedenfalls gibt es noch eine "andere" Ukraine, die er repräsentiert. Es waren seine Landsleute, die für Freiheit und Demokratie auf die Straße gegangen sind. Ohne ihr Aufbegehren wäre Juschtschenko heute nicht in Amt und Würden. Schon deshalb ist der Reformpolitiker aus Kiew ein ungewöhnlicher Gast. Der Berliner Politikbetrieb weiß um diese besondere Stellung: Ein Rede-Auftritt vor dem Bundestag wird nur den wenigsten Staatsoberhäuptern zu Teil. Die diplomatische Geste zeugt auch von der Erinnerung an die eigene Geschichte. Den Bogen vom Fall der Mauer vor 15 Jahren bis zu den Bildern über die friedlichen Demonstranten in Kiew können nur Ignoranten leugnen. Damals war es übrigens eine Selbstverständlichkeit, dass der Osten Deutschlands von den Hilfen der EU profitieren würde. Auch wenn diese Situation andere historische Voraussetzungen hatte, so wird sich bei der -Ukraine ebenfalls die Frage nach einer Integration in die Europäische Gemeinschaft stellen. Wer grundsätzlich ja zum Beitritt der Türkei sagt, darf Kiew das Privileg langfristig nicht verwehren. nachrichten.red@volksfreund.de

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