"Die Aufklärungsarbeit ist gleich null"

"Die Aufklärungsarbeit ist gleich null"

Missbrauchsopfer aus Trier-Kürenz sind verärgert. Ihr Eindruck: Die Aufklärungsarbeit im Fall des Kaplans, der in den 1960er Jahren Messdiener in der Trierer Pfarrei St. Bonifatius sowie in Gerolstein und Bettingen sexuell missbraucht hatte, steht nach einem Jahr immer noch am Anfang. Das Bistum weist die Vorwürfe zurück.

(kat) "Die Aufklärungsarbeit ist gleich null", schimpft Thomas Schnitzler, Missbrauchsopfer aus Trier-Kürenz. Die gleichen Fragen wie vor einem Jahr, als die Opfer ihr Schweigen gebrochen hatten, stünden im Raum. Etwa: Wie es passieren konnte, dass der Kaplan immer wieder versetzt wurde, obwohl aktenkundig war, dass er bereits an seiner ersten Stelle einen Jungen missbraucht hatte. Und warum er nach seiner Laisierung als Religionslehrer weiter arbeiten durfte. "Und warum müssen wir als Zeugen aussagen und werden dann nicht weiter über die strafrechtlichen Ermittlungen informiert?", fragt Schnitzler. Weiter behaupten er und drei weitere Kürenzer Opfer, dass Bischof Stephan Ackermann sich nicht um sie gekümmert habe. "Es ging immer nur darum, den Schaden für die Kirche möglichst gering zu halten, aber nie um die Befindlichkeiten der Opfer", meint Schnitzler. Auch ein zweites versprochenes Treffen mit dem Bischof habe nicht stattgefunden.

"Bei allem Verständnis für die besondere Situation von Opfern sexuellen Missbrauchs können wir die nun von Kürenzer Missbrauchsopfern offenbar erhobenen Vorwürfe nicht nachvollziehen und weisen sie auch zurück", sagt Bistumssprecher Stephan Kronenburg auf TV-Anfrage. Das Bistum Trier habe eingestanden, dass es ein schwerer Fehler der in den 1960er Jahren Verantwortlichen gewesen sei, dass der Täter, auf den die Kürenzer Opfer Bezug nehmen, versetzt wurde, obwohl es einen Hinweis auf sexuellen Missbrauch gab. "Hier hätten andere Konsequenzen gezogen werden müssen" , sagt Kronenburg. Der Kaplan sei 1973 in den Laienstand zurückversetzt worden. "Damit schied er aus dem Dienst des Bistums Trier aus und verlor auch die Berechtigung zur Erteilung von katholischem Religionsunterricht", sagt der Bistumssprecher. Nicht nachvollziehbar sei auch, wenn die Kürenzer Opfer behaupten sollten, Bischof Stephan Ackermann gehe es nicht um eine wirkliche Aufklärung und um die Befindlichkeiten der Opfer. Bischof Ackermann habe als Bischof von Trier und auch als Missbrauchsbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz durch zahllose Äußerungen, aber auch durch Handlungen gezeigt, dass die Sorge um die Opfer für ihn eindeutig im Mittelpunkt stehe. "Der Bischof hat sich selbst mit Opfern aus dem Bistum Trier getroffen, hat diesen geschrieben und sie bereits für ein weiteres Treffen eingeladen", sagt Kronenburg.

Für Thomas Schnitzler steht fest: "Wir wollen Antworten auf die vielen offenen Fragen."

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