Die bestürzende Gewissheit nach 29 Jahren

Die bestürzende Gewissheit nach 29 Jahren

Gewissheit, Trauer und Erleichterung: In Frauenkron herrschen nach dem Leichenfund ganz unterschiedliche Gefühle bei den Beteiligten. Fest steht aber auch: Der Erfolg ist der Gründlichkeit der Verantwortlichen zu verdanken.

Frauenkron. Elf Tage lang haben die Einsatzkräfte im Wald von Frauenkron (Kreis Euskirchen) gebaggert und gestochert, elf Tage lang haben sie immer wieder Müll, Bauschutt und Erdaushub gesichtet. Am Mittwoch wollten sie, wie am Tag zuvor angekündigt, die Suche beenden, denn auf der ehemaligen Mülldeponie des Eifeldorfs war bis dahin nur noch eine letzte, tief gelegene Teilfläche unberührt geblieben.
Genau dort aber stieß der Bagger um 10.20 Uhr auf die grau-grüne Plastikfolie, in der sich sehr wahrscheinlich die Überreste der seit November 1982 vermissten Lolita Brieger befinden. Fünf Minuten vorher, sagt Einsatzleiter Wolfgang Schu, habe man noch Teile einer Kanalabdeckung gefunden. Ähnliches Material habe man Tage vorher noch an ganz anderer Stelle ausgegraben - für die Ermittler ein Hinweis darauf, wie stark bei der Renaturierung der Deponie alles durcheinandergeschoben wurde. Also baggerten sie weiter und fanden kurz darauf den Leichnam: Ein Blick in die freigelegte Plastikfolie genügte - die Suche war beendet. Zwar bleibt ein winziger Restzweifel zur Identität der Überreste, aber den dürfte das gerichtsmedizinische Gutachten in wenigen Tagen beseitigt haben.
"Es ist ein großes Gefühl der Erleichterung", sagt Wolfgang Schu, während seine Polizeikollegen die Fundstelle weiter untersuchen. "Aber auch ein gewisses Gefühl der Bestürztheit, wenn man vor einem Leichnam steht."
Der traurige, Gewissheit über Lolita Briegers Schicksal liefernde Erfolg ist vor allem Wolfgang Schus Beharrlichkeit und Geduld zu verdanken: Während sich in den vergangenen Tagen mit jeder Baggerschaufel, die wieder nur Erde oder Müll zutage förderte, die Hoffnung immer mehr verflüchtigte, blieb Schu äußerlich gelassen und machte einfach weiter. Seine wohl täglich wachsende Besorgnis war ihm während dieser angespannten Tage ebenso wenig anzusehen wie jetzt die Erleichterung über den Fund.
Ein Ergebnis nach elf Tagen, die auch die Angehörigen von Lolita Brieger zwischen Bangen und Hoffen verbringen mussten. Schu stand stets mit ihnen in Kontakt - und sie waren auch die Ersten, die er am Mittwoch anrief. Denn auch wenn der Fund, wie Staatsanwalt Jürgen Brauer sagt, für das Verfahren gegen den wegen Mordverdachts inhaftierten Ex-Freund von Lolita Brieger von großer Bedeutung sei: Genauso wichtig sei die Gewissheit für die Angehörigen. Sie kam mit der beinahe letzten Baggerschaufel: "Wir haben es gerade noch geschafft", sagt Wolfgang Schu.