Die Büchse der Pandora

Nordkorea hat seine Eintrittskarte für den Klub der Atommächte gelöst. Doch dessen Mitglieder sind alles andere als erbaut über den Neuzugang aus Pjöngjang. Während sie selbst ihre Arsenale ausbauen und modernisieren, protestieren sie pro forma gegen das Treiben des Parias aus dem Land der Morgenstille. Dabei dürfte zumindest Pakistan Nordkorea beim Aufbau der Nuklear-Technologie assistiert haben. Mit dem unterirdischen Atomtest hat Nordkorea die Sicherheitslage auf der Halbinsel und in ganz Südostasien extrem verschärft. Diktator Kim Jong Il ist wie sein Vater Kim Il Sung unberechenbar, selbstverliebt und machtbesessen. Sein Regime regiert er mit eiserner Faust, sein Militär unterdrückt brutal die Bevölkerung. Meinungs- und Redefreiheit gibt es nicht. Folter und "Umerziehung" in Sonderlagern sind an der Tagesordnung. Während die Bonzen in Reichtum schwelgen, werden vor allem Landbewohner immer wieder mit Hungersnöten konfrontiert.

Mit der Kernwaffe erweitert Kim mit einem Schlag seinen unheilvollen Aktionsradius. Nicht nur Südkorea und Japan, sondern auch die Ex-Genossen China, Russland und selbst die USA liegen in Reichweite seiner Raketen. Vor allem Letztere will Kim an den Verhandlungstisch zwingen, um seine Forderungen durchzusetzen: politische Anerkennung und wirtschaftliche Unterstützung.

Die atomare Karte dürfte die festgefahrene Diplomatie schnell wieder in Gang bringen. Seit dem Koreakrieg ist die "demilitarisierte Zone" am 38. Breitengrad die waffenstarrendste Region der Welt. Kim hat nun ein Gewicht mehr in die Waagschale geworfen: die Büchse der Pandora.

j.engbrocks@volksfreund.de