"Die Dose ist mausetot"

TRIER. Trotz der Vereinfachung beim Dosen-Pfand rechnen Umweltschützer mit einer Steigerung der Verkaufszahlen bei Mehrweg-Produkten. Darüber sprachen wir mit dem Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch.

Warum soll ich eigentlich noch weiter Mehrweg-Produkte kaufen, wenn nun das Einweg-Pfand so einfach ist?Resch: Sie können auch weiter Einweg-Verpackungen kaufen. Aber warum sollten Sie? Einweg wird zehn Cent teurer, und Mehrweg hat sich im Preis nicht verändert. Daher will mir nicht in den Kopf, wo der Vorteil von Einweg liegen soll. Aber das Dosenpfand ist doch gescheitert. Bei Sprudel zum Beispiel ist die Mehrwegquote zurückgegangen. Resch: Das Dosen-Pfand ist kein Flop. Beim Bier oder bei Softdrinks wie Cola werden mehr Mehrweg-Flaschen verkauft als vor der Einführung der Pfandregelung auf Einweg-Verpackungen. Beim Wasser gibt es tatsächlich ein Problem. Sprudel-Hersteller verkaufen seit einiger Zeit elf Prozent weniger Mehrweg-Flaschen. Woran liegt das? Resch: An den Discountern. Die haben angefangen, Mineralwasser als Aktionsware zu verkaufen. Damit wurden der reguläre Preis kaputt gemacht und große Anteile des Wassermarktes erobert. Ähnlich wie bei der Milch. Aber das zeigt doch, dass das Dosenpfand nicht wirkt.Resch: Absolut nicht. Trotz dieses Angriffes wird immer noch die Hälfte vom Wasser in Mehrweg gehandelt. Trotzdem bin ich natürlich unzufrieden, weil die Mehrweg-Quote bei Wasser deutlich höher sein müsste. Nochmal, Herr Resch: Für den Verbraucher ist es doch ab sofort egal, ob er Mehrweg oder Einweg kauft.Resch: Das ist doch Propaganda der Einweg-Fraktion. Das Einkaufsverhalten in Deutschland ist tradiert. Man kauft in fast immer den gleichen Geschäften fast immer die gleiche Ware. Wenn Einweg jetzt tatsächlich so in die Höhe schnellen würde, wie es von einigen Unternehmen derzeit erhofft wird, dann hätten doch genau die nicht so heftig gegen die Einführung des Dosenpfands gekämpft. Beispiel Gerolsteiner: Das Eifeler Unternehmen erwartet durch die neue Pfandregelung zusätzliche Marktanteile beim Einweg. Resch: Ich weiß. Aber das kritisiere ich sehr deutlich. Gerade Gerolsteiner ist ein Unternehmen, das stark im Mehrweg ist. Nun ist es in einer Zwickmühle, weil es neue Produkte als Einweg anbietet und das zum Teil billiger als vergleichbare in Mehrweg-Flaschen. Daher versuchen die nun, verstärkt auf den Einweg-Markt zu drängen. Ich bleibe aber dabei: Die allermeisten Wasser-Hersteller und Brauereien haben Interesse an Mehrweg. Einige setzen aber auf die Rückkehr der Dose.Resch: Das sind aber nur die Brauereien, die früher viele Dosen verkauft haben. Allerdings werden Aldi und Lidl ab sofort keine Dosen mehr verkaufen. Die Dose ist mausetot. Der Dosenverkauf ist von 7,5 Milliarden auf 500 Millionen zurückgegangen. Und er wird weiter zurückgehen, weil viele Geschäfte und Tankstellen sich überraschenderweise entschieden haben, Einweg komplett rauszuschmeißen. Warum hat es so lange gedauert, bis das Pfandchaos beendet worden ist? Resch: Weil der Handel verhindert hat, dass die verbraucherfreundliche Pfandregelung, die von der Politik von Anfang an so geplant war, zu Stande kommt. Der hatte kein Interesse daran. Man hat dem Verbraucher die Rückgabe von Einweg sehr schwer gemacht. Die Geschäfte haben von dem Chaos profitiert. Viele Kunden haben aufgrund der Insel-Lösungen ihre Flaschen und Dosen nicht zurückgebracht. Daher hat der Handel 300 bis 500 Millionen Euro mehr eingenommen. Das wird sich von nun an ändern, Pfandbetrug wird es nicht mehr geben. Trotzdem werden Sie es nicht schaffen, Einweg komplett zu verdrängen.Resch: Natürlich wäre mir als Umweltschützer am liebsten, wenn Dosen und Einwegflaschen verboten würden. Aber das hat die EU-Kommission untersagt. Das Gespräch mit Jürgen Resch führte unser Redakteur Bernd Wientjes.

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