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Die Droge aus dem Schnupfenmittel: Crystal Meth macht schnell süchtig und ist relativ einfach herzustellen

Die Droge aus dem Schnupfenmittel: Crystal Meth macht schnell süchtig und ist relativ einfach herzustellen

Noch ist sie nicht weit verbreitet, die gefährliche Droge Crystal Meth. Doch Experten sind sich sicher: Die Zahl der Konsumenten wird steigen. Auch in der Region gibt es kleinere Labore, die den Stoff herstellen.

Trier. Bei Crystal Meth denken viele an die US-Serie Breaking Bad. Darin wird ein krebskranker Chemielehrer zu einem rücksichtslosen Drogendealer und Schwerkriminellen. Zusammen mit einem Schüler stellt der Lehrer die künstliche Droge Methamephetamin - besser bekannt als Crystal Meth - im großen Stil her.

Vielen Zuschauern der Erfolgsserie dürfte zum ersten Mal bewusst geworden sein, wie verhältnismäßig einfach sich der gefährliche Stoff herstellen lässt. Crystal - in der Szene auch Meth, Ice oder einfach C genannt - wird in Hinterhoflaboren aus relativ leicht erhältlichen Materialien gemischt. Die Droge wird aus den Grundstoffen Ephedrin und Pseudoephedrin hergestellt, die auch in Erkältungsmedikamenten enthalten sind.Psychosen und Hirnschäden

Crystal Meth wird meistens geschnupft. Der Stoff mache schnell süchtig, sagt der Trierer Rauschmittelexperte Jörn Pat-zak. Als Oberstaatsanwalt war er vor seinem Wechsel in die Leitung der Justizvollzugsanstalt Wittlich bei der Trierer Staatsanwaltschaft unter anderem zuständig für Drogenkriminalität und hat sich als Mitautor verschiedener Bücher über Betäubungsmittel bundesweit einen Namen gemacht. Der 44-jährige Experte schätzt Crystal Meth als eine gefährliche Droge ein. Das künstlich hergestellte Rauschmittel löst häufig Psychosen und Hirnschäden aus.

Im Internet wird berichtet, dass viele Abhängige unter Verfolgungswahn, Gedächtnisstörungen und Angstzuständen leiden. Crystal Meth wirke extrem aufputschend, sagt Patzak. Die Wirkung sei stärker als etwa bei Kokain. Die Droge wirke teilweise auch potenzsteigernd. Daher sei sie auch in der Homosexuellen-Szene in Großstädten sehr verbreitet.
Zwar sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Crystal auch in der Region auftauchte, sagt Pat-zak. Es sei aber keine klassische Straßenverkaufsdroge. Vielmehr werde sie häufig von Menschen, die nicht zu dem klassischen Drogenmilieu gehören, konsumiert. Häufig von Personen, die einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt sind. 2014 wurde bekannt, dass der Mainzer SPD-Bundestagsabgeordnete Michael Hartmann Crystal genommen hat. Er begründete dies mit seiner Arbeitssucht und der damit verbundenen Überlastung.

Die Droge gilt nicht als klassische Einstiegsdroge. Das zeigt auch die Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA). Danach liegt das Alter der Erstkonsumenten von Crystal bei 28,6 Jahren. Bei Ecstasy, einer ebenfalls künstlich hergestellten Droge, liegt das Alter bei 25 Jahren. In Rheinland-Pfalz hat es nach der BKA-Statistik im vergangenen Jahr zehn Erstkonsumenten von Crystal gegeben. Bundesweit haben die Fahnder 2014 insgesamt 74,1 Kilogramm der vor allem in Bayern und in Ostdeutschland verbreiteten Droge sichergestellt.Stoff kommt oft aus Tschechien


Bei den künstlich hergestellten Amphetaminen waren es über 1300 Kilogramm und bei Marihuana sogar über 8000 Kilogramm. Das zeigt, dass Crystal derzeit noch nicht so weit verbreitet ist. Laut Patzak wird es vor allem in Drogenlaboren in Tschechien hergestellt. Aber auch in den Niederlanden gebe es einzelne Drogenküchen, in denen der gefährliche Stoff hergestellt werde.

Wie ein Sprecher des Trierer Polizeipräsidiums unserer Zeitung bestätigte, hat es auch in der Region vereinzelt kleinere Drogenlabore gegeben, in denen Crystal Meth hergestellt wurde.

In Tschechien wird der jährliche Gesamtkonsum auf mindestens 4,6 Tonnen geschätzt. Dort dürfen Apotheken die Rohstoffe für die Herstellung der Droge - Erkältungsmittel - nur noch auf Rezept ausgeben. Deutsche Konsumenten deckten sich bislang mit Crystal oft gleich hinter der tschechischen Grenze ein.

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