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Die duale Ausbildung schwächelt

Die duale Ausbildung schwächelt

Deutschland wird international um sein duales Ausbildungssystem beneidet. Doch immer weniger junge Leute treten eine Lehre an. "Wir müssen die gesellschaftliche Wertschätzung der dualen Ausbildung wieder erhöhen", mahnt Forschungsministerin Johanna Wanka (CDU).

Berlin. Zur Vorstellung des Berufsbildungsberichts der Bundesregierung gestern in Berlin war Forschungsministerin Johanna Wanka gerade von einem Besuch der Hannover-Messe gekommen. Dort hätten sich vor allem die Inder für die deutsche Lehrausbildung interessiert, berichtete die Ministerin voller Stolz. In Deutschland selbst scheint das parallele Lernen in Betrieb und Berufsschule allerdings eher in der Krise zu stecken. 2014 haben die Firmen nur noch mit rund 522 000 jungen Leuten einen Lehrvertrag abgeschlossen. Ein absoluter Tiefststand seit der deutschen Wiedervereinigung.
Auf der anderen Seite gab es jedoch mit 37 100 unbesetzten Ausbildungsplätzen einen neuen Höchststand. Und das ist nur ein Teil der Wahrheit. Denn hier handelt es sich um Plätze, die den Arbeitsagenturen gemeldet wurden. Der deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht von insgesamt 80 000 freien Lehrstellen aus. Die jungen Interessenten sind demnach in einer komfortablen Lage. Auch nach offizieller Darstellung kommen auf 100 Lehrstellensuchende 103 Ausbildungsangebote. Bis vor kurzem war es noch genau umgekehrt.
Ministerin Wanka warb dafür, eine Lehre nicht als minderwertig zu betrachten. "Die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung muss in den Köpfen ankommen", meinte die Ministerin.
Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) räumte ein, der Übergang von der Schule in die Ausbildung müsse politisch "noch intensiver" unterstützt werden. Dazu gibt es bereits Förderprogramme. So werden leistungsschwache Jugendliche in einer "assistierten Ausbildung" von speziellen Helfern für bis zu drei Lehrjahre lang begleitet. Auch können sich Schüler im Rahmen einer "Bildungsketten-Initiative" mit praktischer Arbeit in Werkstätten beschäftigen. Insgesamt stellt die Regierung bis 2018 an die 1,3 Milliarden Euro für die Förderung der betrieblichen Ausbildung zur Verfügung.
Der DGB mahnte gestern auch die Wirtschaft, ihre Verantwortung für die duale Ausbildung wahrzunehmen. "Viele Arbeitgeber müssen endlich von ihrem hohen Ross absteigen und auch Hauptschüler verstärkt ausbilden", sagte DGB-Vize Elke Hannack unserer Zeitung. Es passe nicht zu den ewigen Klagen über einen Fachkräftemangel, dass viele Unternehmen solche jungen Menschen "von vornherein aus der betrieblichen Ausbildung ausgrenzen".