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Die Eifel bekommt zu spüren, was US-Präsidenten wollen

Die Eifel bekommt zu spüren, was US-Präsidenten wollen

US-Präsident Barack Obama hat beim Militär gespart und abgerüstet - das war und ist in Spangdahlem deutlich zu spüren, wo man erst ganze Staffeln verlor und nun neue erwartet. Donald Trump hingegen will aufrüsten. Die Folgen sind schwer abzusehen. So oder so geht die Airbase davon aus, dass sie ein strategisch wichtiges Drehkreuz bleibt.

Spangdahlem. Kühe, Felder, Bauerndörfer. Washington mag weit von der Eifel entfernt sein. Doch wenn ein US-Präsident jenseits des weiten Atlantiks entscheidet, dass es an der Zeit ist, abzurüsten und zu sparen, dann kann dies auch für die Eifel erhebliche Folgen haben. Unter Barack Obama ist dies mehrfach geschehen, und die Airbase Spangdahlem veränderte sich dadurch erheblich.

2010 wurden 18 von 42 F-16-Jets nach Minnesota, USA, verlegt, um dort ältere Flugzeuge des gleichen Typs zu ersetzen. Was zunächst wenig bedeutsam klang, hatte erhebliche Auswirkungen auf die Airbase und die umliegenden Dörfer. Hingen an den Kampfjets doch 575 Planstellen. Bereits die Ankündigung des Abzugs hatte Folgen: Der geplante Bau von 271 neuen Häusern, die den Amerikanern bessere Wohnbedingungen bieten sollten, wurde gestoppt. Die verbleibenden 24 Jets, die zuvor zu zwei Staffeln gehörten, wurden in der 480. Kampfstaffel zusammengeführt.

2013 traf das riesige Sparpaket der Obama-Regierung die Eifel-Airbase so hart, dass mancher nicht mehr an ihre Zukunft glaubte - weitere 500 Soldaten mussten die Eifel mit den 18 A-10-Kampjets, die wegen ihrer Form auch "Warzenschweine" genannt werden, verlassen. Die 81. Flugstaffel wurde aufgelöst. US-Zivilangestellte wurden in Kurzarbeit geschickt, Prämien gestrichen und der Tag der offenen Tür, der sonst 40 000 Gäste lockte, abgesagt.
Skurrilerweise hatte all dies keinerlei Auswirkungen auf das gewaltige Bauprogramm der Airbase: Hunderte Millionen Dollar fließen weiter in neue Schulen, Supermärkte oder Kliniken.

2015 offenbarte das US-Verteidigungsministerium weitere Sparpläne, von denen Spangdahlem diesmal jedoch profitiert. Um Geld und Personal zu sparen, schließt das US-Militär 15 Standorte in Europa, darunter die Airbase im englischen Mildenhall. Von dort soll eine Spezialeinheit mit 1300 Soldaten und 20 Flugzeugen in die Eifel verlegt werden. Zehn der Flugzeuge sind absolute Klassiker, zehn andere Exoten. Es handelt sich zum einen um Lockheed C-130 (Hercules) - die am weitesten verbreiteten militärischen Transportflugzeuge. Und zum anderen um Kipprotor-Wandelflugzeuge namens Bell-Boeing CV-22 "Fischadler", die wie Hubschrauber vertikal starten können. Fünf, vielleicht auch sieben Jahre könnte es dauern, bis sie kommen.

2022 sollen die vorbereitenden Arbeiten abgeschlossen sein. 43 Gebäude müssen bis dahin abgerissen werden. So entsteht Platz für eine riesige Flugzeugrampe, für Wartungshallen, ein Hauptquartier für die neuen Einheiten, einen Flugsimulator und diverse Verwaltungsgebäude. Die Kosten beziffert die Pressestelle der Airbase aktuell mit 250 bis 300 Millionen Dollar (239 bis 286 Millionen Euro). Man stehe wegen der Bauarbeiten mit dem deutschen Verteidigungsministerium in Kontakt. Auch neue Lärmschutzzonen rund um Spangdahlem sind geplant. Die Bundeswehr habe zu diesem Zweck eine Lärmstudie durchgeführt.

Welche Folgen ein US-Präsident namens Donald Trump auf Spangdahlem oder Ramstein haben könnte, ist schwer einzuschätzen. Im Wahlkampf hat Trump angekündigt, massiv aufrüsten zu wollen: Die Truppen sollen um 60 000 Männer und Frauen wachsen, die Zahl der Kriegsschiffe will er von 276 auf 350 erhöhen, und 1200 Kampfjets sollen der Air Force künftig zur Verfügung stehen.
David Sirakow, Leiter der Atlantischen Akademie Rheinland-Pfalz, rechnet damit, dass die rheinland-pfälzischen Stützpunkte ihre zentrale Bedeutung für die Sicherheitspolitik der USA behalten, wenn der Kampf gegen die Terrormiliz islamischer Staat noch entschlossener geführt wird. Natürlich wäre es auch denkbar, dass Trump den britischen Stützpunkt Mildenhall doch nicht schließen lassen will. Allerdings setzt Sirakov ein großes Fragezeichen hinter die von Trump anvisierten Ausgabensteigerungen im Verteidigungshaushalt. Es gehe alleine im ersten Jahr um 100 Milliarden US-Dollar. "Eine Änderung des Haushaltsgesetzes müsste erneut durch den Kongress", sagt Sirakov. Ohne Kürzungen in anderen Bereichen sei dies nicht möglich.

Die Airbase-Leitung selbst geht davon aus, dass Spangdahlem dauerhaft ein strategisch wichtiges Drehkreuz für die Air Force in Europa bleiben wird: Seit die Rhein-Main-Airbase 2005 geschlossen wurde, dient der Eifel-Stützpunkt den riesigen C-17-Transportflugzeugen, die von den USA in die Krisengebiete der Welt fliegen, als Zwischenstopp.
Weiter betont die Airbase, die 480. Kampfstaffel sei die einzige ihrer Art in der Air Force: Die F-16-Kampfjets haben im Ernstfall die Aufgabe, die feindliche Luftabwehr zu zerstören und den Weg für nachfolgende Bomber freizumachen. Zuletzt haben sie dies vor wenigen Monaten im Kampf gegen den IS in Syrien und dem Irak getan. Die geplante Verlegung der "352. Special Operations Group" von England in die Eifel unterstreiche die strategische Bedeutung des 52. Jagdgeschwaders, heißt es weiter. Zu den Aufgaben der neuen Spangdahlemer Sondereinheit wird zählen, Truppen zu transportieren, sie mit Nachschub zu versorgen und Flugzeuge in der Luft zu betanken. Die Airbase-Pressestelle zieht das Fazit, das Geschwader werde für die europäische Sicherheit und die Nato bis weit ins 21. Jahrhundert hinein eine Schlüsselrolle spielen.

Von den 36 500 US-Soldaten, die in Deutschland stationiert sind, lebten 2015 laut Verteidigungsministerium 18 400 in Rheinland-Pfalz.
Auf der Airbase Spangdahlem arbeiten nach Auskunft der Airbase-Pressestelle 258 Offiziere, 2752 Militärangestellte, 715 US-Zivilisten und 769 deutsche Zivilisten. Hinzu kommen mehrere Tausend amerikanische Familienangehörige. Geld für das Gastmilitär: Was Deutschland für amerikanische Stützpunkte zahlt

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