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Die einen feiern vegetarisch, die anderen eher fürstlich

Die einen feiern vegetarisch, die anderen eher fürstlich

Schon kurz vor Schließung der Wahllokale beginnen am Sonntag in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt die ersten Wahlpartys der Parteien. Während es die einen mitten im politischen Getümmel ordentlich krachen lassen, feiern die anderen ab vom Schuss und im kleineren Rahmen.

Mainz. Auf der großen Wiese zwischen Umweltministerium und Mainzer Landgericht wird seit Tagen eifrig gewerkelt. Die Fernsehsender stellen ihre Übertragungswagen auf, während im benachbarten Abgeordnetenhaus die Wahlstudios zusammengezimmert werden.Es ist ein ziemliches Gewusel, damit am Sonntagnachmittag alles steht und funktioniert, wenn die ersten Übertragungen starten. Weil der "richtige" Landtag umgebaut wird, ist dieses Mal alles etwas anders als bei den vorausgegangenen Landtagswahlen - und etwas beengter.

Im Abgeordnetenhaus, dem Herz der Wahlkampfberichterstattung, dürfen sich am Sonntag maximal 1215 Personen gleichzeitig aufhalten, hat die Landtagsverwaltung schon vor etlichen Wochen festgelegt. Da ist für größere Wahlpartys kein Platz. Die finden daher rund ums Abgeordnetenhaus statt - mal näher, mal weiter entfernt, mal größer und mal in etwas bescheidenerem Rahmen.
Die Christdemokraten haben sich in dem nur 100 Meter vom Abgeordnetenhaus entfernt gelegenen Kurfürstlichen Schloss eingemietet. Weil der ursprünglich für die Feier ins Auge gefasste Saal angesichts der 800 Anmeldungen nicht ausreichte, weicht man jetzt in den deutlich größeren Säulengang des Schlosses aus. Es gibt Getränke und Imbiss, "alles im Rahmen", sagt Kommunikationsdirektor Olaf Steenfadt.
Nur muss das erhoffte Ergebnis am Ende auch stimmen. Sonst könnte es sein, dass die Schlossparty schnell wieder beendet ist.
Die Sozialdemokraten machen eine kleine Wahlparty von Fraktion und Partei im Abgeordnetenhaus, während die größere und für alle offene Sause im zehn Minuten Fußmarsch entfernten Mainzer Rathaus steigen wird.
Der Ort der FDP-Wahlparty, eine Tanzschule am Karmeliterplatz, liegt vom Rathaus genauso weit entfernt wie vom Kurfürstlichen Schloss. Wichtig zu wissen für den nicht auszuschließenden Fall, dass den Roten oder Schwarzen noch am Abend nach Anbändeln zumute ist. Aber zunächst einmal müssen die derzeit außerparlamentarischen FDPler mal die Fünf-Prozent-Hürde überspringen. Das würde auch der Seniorchefin der Tanzschule, Cornelia Willius-Senzer (72), gefallen, die nämlich auf Platz sechs der FDP-Liste kandidiert und damit ziemlich sicher als Abgeordnete im neuen Landtag säße.
Nur ein paar Straßen entfernt wollen die Grünen feiern - im gegenüber dem Landtagsgebäude gelegenen Kulturclub Schon Schön. Laut Sprecher Nils Dettki gibt es ein vegetarisches Büfett mit Fingerfood, und später legt DJ Johnny G-go-low auf. Müssen die Grünen nur noch hoffen, dass die in Umfragen zuletzt schwächelnde Landes-Partei am Sonntagabend auch wirklich etwas zu feiern hat.
In diesem Punkt dürften die Rechtspopulisten schon ziemlich sicher sein. Nur: Die AfD verrät noch nicht, wo in Mainz ihre Wahlparty am Sonntag ab 17 Uhr steigen wird. Der Grund: In Baden-Württemberg, wo ebenfalls gewählt wird, drohten linke Gegner einem Hotelier mit massenhaften Protesten, wenn die AfD-Wahlparty nicht abgesagt werde. Ein Schicksal, das die rheinland-pfälzische AfD verhindern will. Der Ort für die Wahlparty werde deshalb erst kurzfristig bekanntgegeben, sagt Sprecher Jan Bollinger.
Da sind Linke und Freie Wähler weitaus mitteilsamer. Die Linken feiern im Café sieben Grad am Rheinufer, die Freien in der Heuerschule in Mainz-Hechtsheim. Fraglich allerdings, ob beide Parteien am Sonntagabend etwas zu feiern haben.