Die Eltern bleiben gefragt

Deutsche Schüler sind laut einer neuen internationalen Vergleichsstudie zufrieden. Aber Mobbing in der Schule ist ein Problem.

Berlin Es ist nicht alles rosig an deutschen Schulen. So werden immer noch viel zu viele Kinder gehänselt oder von Mitschülern bedrängt. Gleichwohl sind die meisten Teenager hierzulande zufrieden mit ihrem Schulalltag. Das ist das Ergebnis der gestern in Berlin vorgestellten internationalen OECD-Vergleichsstudie zum Wohlbefinden von Jugendlichen. Dazu Fragen und Antworten: Was macht die Schüler glücklich? Wenn sich die Eltern für ihre Leistungen interessieren. 96 Prozent der rund 10 000 befragten deutschen Schüler (insgesamt nahmen eine halbe Million Kinder teil) gaben an, dass dies bei ihnen der Fall ist. 91 Prozent erklärten, die Eltern würden ihnen bei Schwierigkeiten in der Schule helfen. "Reden Sie mit Ihrem Kind, signalisieren Sie ihm: Was du machst, ist mir wichtig", lautete der Ratschlag von OECD-Bildungsforscher Andreas Schleicher an die Eltern. Dafür sei weder viel Zeit noch eine besondere Qualifikation nötig. In Deutschland sind 73 Prozent aller 15-jährigen Schüler zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Leben. Der OECD-Durchschnitt lag bei 71 Prozent. Was macht die Jugendlichen unglücklich? "Für manchen ist die Schule ein Ort der Qual", so die Bildungsexperten. Hänseleien, fiese Gerüchte, soziale Ausgrenzung - Mobbing macht auch vor den hiesigen Lehranstalten nicht halt. Fast 16 Prozent der 15-jährigen Deutschen gaben an, "ein paar Mal im Monat" zum Opfer von körperlicher oder seelischer Misshandlung zu werden. Der OECD-Durchschnitt lag mit 19 Prozent noch etwas höher. Insgesamt sind in allen Ländern Jungen häufiger von Mobbing betroffen als Mädchen. Dagegen müsse mit "null Toleranz" vorgegangen werden, riet Bildungsforscher Schleicher. Das Thema müsse viel stärker debattiert werden. Welches Verhältnis haben die Schüler zu ihren Schulen? 75 Prozent der deutschen Kinder empfinden ein überdurchschnittlich starkes Zugehörigkeitsgefühl für ihre Schule und die Mitschüler. Rund 85 Prozent schließen aus, im Schulalltag Außenseiter zu sein oder "geschnitten" zu werden. "Insgesamt liegt Deutschland im guten Mittelfeld", meinte Schleicher. Allerdings ist das Zufriedenheitsgefühl bei Kindern aus ärmeren Familien häufig weniger ausgeprägt. Wie steht es um die Prüfungsangst? In Deutschland haben über 40 Prozent der Schüler selbst dann Angst zu versagen, wenn sie sich gut vorbereitet fühlen. Mädchen sind ängstlicher als Jungen - 64 Prozent im Vergleich zu 47 Prozent. Insgesamt sind die Teenager hierzulande weniger furchtsam bei schulischen Aufgaben als im OECD-Durchschnitt. Was können Lehrer bewirken? Sehr viel. Grundsätzlich haben Schüler, die darauf vertrauen, dass ihr Lehrer ihnen hilft und weiß, was sie können, deutlich weniger Angst vor Prüfungen. Einer von fünf Schülern sagt der Studie zufolge, er sei von Lehrern schon mal unfair behandelt worden. Die Angst vor Prüfungen wird in dem Fall größer - und die Fähigkeit sich selbst für eigene Ziele zu motivieren, kleiner. Wirkt sich Wohlbefinden auf Leistungsstärke aus? Beides hängt nicht zwangsläufig zusammen. Das belegt auch der internationale Vergleich: Während zum Beispiel die Schüler in China und Südkorea trotz hoher Unzufriedenheit sehr gute Leistungen bringen, sind die Schüler in Mexiko und der Dominikanischen Republik trotz schlechter Leistung sehr zufrieden. In der Studie heißt es daher, "mit größerer Wahrscheinlichkeit" würden Teenager, die sich als Teil einer Schulgemeinschaft fühlten und gute Beziehungen mit ihren Eltern und Lehrern pflegten, "bessere schulische Leistungen erbringen und glücklicher sein". Hagen StraußFragen & Antworten Bildung und LernverhaltenExtra: DER WELTWEIT WICHTIGSTE SCHULVERGLEICHSTEST

Durchgehend groß geschrieben stehen die vier Buchstaben PISA für den weltweit wichtigsten Schulvergleichstest, das "Programme for International Student Assessment". Es wird alle drei Jahre von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris organisiert - im Auftrag der Regierungen oder in Deutschland für die Kultusministerkonferenz (KMK) der 16 Länder. An der bislang letzten Studie PISA 2015 nahmen gut eine halbe Million 15-Jährige aus 72 Ländern und Regionen teil, darunter 10 000 aus Deutschland. Die Ergebnisse (Leistungsstand) wurden im Dezember präsentiert. In einer Sonderauswertung veröffentlichte die OECD nun Daten zum Lernumfeld und Lernverhalten der 15-Jährigen. Der Report untersucht die Beziehungen von Schülern zu ihren Mitschülern, zu Lehrern und Eltern, außerdem Freizeitgestaltung und Zukunftswünsche - kurz: ihr Wohlbefinden.