Die endgültige Klarheit fehlt auch weiter

Die endgültige Klarheit fehlt auch weiter

Drei Monate dauerten die Untersuchungen, in der Zeit wurde viel spekuliert und gerätselt. Nun soll eine einfache Infektion Ursache für die Krankheitswelle in einem Hillesheimer Pflegeheim gewesen sein.

Hillesheim. Volker Schneiders ist unzufrieden. Der Dauner Amtsarzt hatte gehofft, dass nach mehr als drei Monaten Untersuchungen handfestere Ergebnisse zu den Ursachen der Krankheitswelle im Hillesheimer Pflegeheim Katharinenstift auf den Tisch kommen würden. "Zusammenfassend ist daher … von einer banalen Infektion, zum Beispiel mit Streptokokken, auszugehen", heißt es in dem gestern vorgelegten Abschlussbericht. "Zum Beispiel" und "auszugehen". Das sind Formulierungen, die den Leiter des Dauner Gesundheitsamtes ratlos zurücklassen. "Das heißt, dass noch immer keine genaue Ursache für die Erkrankung gefunden worden ist", sagt der Behördenchef. "Unbefriedigend" nennt er das, vor allem im Hinblick auf die Angehörigen der elf verstorbenen Heimbewohner. "Die haben sich endlich Klarheit erhofft", sagt Schneiders.

Hinzu kommt, dass es nach den Untersuchungen der Mainzer Rechtsmediziner den Anschein hat, als seien die von Schneiders gleich zu Beginn der Erkrankungswelle am 23. März veranlassten Untersuchungen unvollständig. Eine Infektion sei "immer unwahrscheinlicher", hatte Schneiders verkündet, nachdem Experten des für die Gesundheitsüberwachung zuständigen Robert-Koch-Instituts und mehrere Labore keine Hinweise auf bakterielle Erreger bei den zwölf Erkrankten gefunden hatten. "Offenbar wurde bei den ersten Tests nur auf gängige Erreger wie Salmonellen oder Legionellen getestet", sucht der Leitende Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer nach einer Erklärung für die unterschiedlichen Erkenntnisse. Man habe alle Erkrankten auf verschiedene bakterielle Infektionen untersucht - auch auf Streptokokken, sagt Schneiders. Streptokokken sind Bakterien, die sich im Körper von vielen Menschen befinden. Sie können unter anderem zu Mandelentzündungen und Scharlach führen. Schneiders hält eine solche Infektion nicht für die Ursache der Erkrankungen. Für ihn sind die nun vorgelegten Ergebnisse daher allenfalls eine Theorie. Laut Brauer sind die normalerweise eher harmlosen Infektionen bei den betroffenen Bewohnern, die alle auf einem Trakt des Heimes gelebt hatten, derart dramatisch verlaufen, weil die Abwehrkräfte der Erkrankten aufgrund des Alters und anderer Erkrankungen angegriffen waren. Dass es letztlich so lange gedauert hat, bis die Ergebnisse vorlagen, erklärt Brauer mit den komplizierten Untersuchungen nach möglichen Giften in den Körpern der Verstorbenen. "Die Experten wussten ja nicht, wonach sie suchen sollten. Daher mussten mehrere Untersuchungen durchgeführt werden. Ergebnis: Eine Vergiftung, ob absichtlich oder durch einen Unfall, konnte nicht nachgewiesen werden."

Immerhin sei aber der Verdacht gegen das Heim nun vom Tisch, sagt Schneiders. Darüber ist man auch beim Träger, der Maternus GmbH, froh. Aber: "Leider geben die Ermittlungsergebnisse nicht so eindeutige Hinweise auf die Ursache, wie wir sie uns erhofft hatten", sagt Geschäftsführer Götz Leschonsky.