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Umwelt: Die EU will den Dieselverbrauch von Lastwagen drastisch senken

Umwelt : Die EU will den Dieselverbrauch von Lastwagen drastisch senken

Minus 15 Prozent CO2-Austoß bis 2025 und minus 30 Prozent bis 2030 sind im Gespräch.

Die EU-Kommission will den Diesel-Verbrauch von Nutzfahrzeugen per Gesetz senken. Wie zu hören ist, will die EU-Kommission Mitte Mai vorschlagen, dass neu zugelassene Lastwagen über 3,5 Tonnen den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2025 um zehn bis 15 Prozent senken müssen. Noch ist offen, ob die Kommission dem Transportsektor bereits jetzt ein Ziel für die weiteren Einsparungen bis zum Jahr 2030 vorgibt oder ob sie damit bis 2022 wartet. Das Parlament und die Mitgliedstaaten müssen dem Gesetzgebungsvorschlag noch zustimmen, damit er in Kraft tritt.

Bindende Verbrauchsobergrenzen hat die EU bislang nur für PKW und Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen aufgestellt. Hier schlägt die Kommission vor, dass Autos und Nutzfahrzeuge bis 3,5 Tonnen zwischen 2021 und 2025 den Verbrauch um 15 Prozent senken müssen und um 30 Prozent bis 2030. Mit der Regulierung des COAusstoßes für Lastwagen betritt die EU nun Neuland. Hintergrund der späten Regulierung ist, dass der Kraftstoffverbrauch bei Lastwagen sehr stark variieren kann – je nachdem, wie der Aufbau des Lastwagens aussieht und was der Lastwagen zieht. Daher ist es schwer, Vorgaben zu machen. Bisher liegen noch keine vergleichbaren und zertifizierten Angaben zum Kraftstoffverbrauch von Lastwagen vor. Die EU-Kommission hat sich aber zusammen mit der Industrie in den letzten Jahren um die Basis für eine verlässliche Datenbasis bemüht. In Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Graz wurde ein Verfahren entwickelt, das den Kraftstoffverbrauch einer Zugmaschine je nach Aufbau und Einsatz simuliert. Die „Vecto-Methode“ (Vecto steht für Vehicle Energy Consumption Tool, Instrument zum Messen des Kraftstoffverbrauchs) erlaubt vergleichbare Aussagen über den CO2-Ausstoß von Lastwagen, Zugmaschinen mit Auflieger oder Anhänger, jeweils  in unterschiedlichen Konstellationen. Geplant ist, dass die Hersteller die Vecto-Daten für neue Fahrzeuge ab 2019 erheben müssen. Wie zu hören ist, werden die Daten für die 2019er Flotte aber erst ab 2021 verfügbar sein. Damit würde wenig Zeit für die Ingenieure bleiben, bis 2025 neue Spritspartechnologien zu entwickeln. Hinter den Brüsseler Kulissen tobt um die Reform gerade eine Lobbyschlacht. Umweltschützer, Hersteller sowie Transporteure versuchen, in den letzten Tagen noch Einfluss zu nehmen auf die Prozentzahlen. Der Herstellerverband ACEA hält eine Reduzierung des Verbrauchs von sieben Prozent bis 2025 und 16 Prozent bis 2030 für realistisch. Eine Senkung des Kraftstoffverbrauchs von 24 Prozent bis 2025 fordert dagegen ein Zusammenschluss von 37 Unternehmen, darunter Ikea und Heineken. Mit an Bord sind auch etliche deutsche Unternehmen wie etwa die Bahn-Tochter DB-Schenker, Tchibo, die Spediteure Bartkowiak aus Hildesheim sowie Große Vehne aus Stuttgart. In ihrem Brief an die Kommission fordern sie zudem ambitionierte Ziele für Lastwagen, die gar kein Kohlendioxid mehr ausstoßen. Wie zu hören ist, versuchen die Hersteller dagegen eine „Supercredits“-Regelung durchzusetzen. Bei derartigen Regelungen, die es bei den PKW bereits gab, erhalten die Hersteller Rabatte auf die CO2-Ziele, wenn sie Fahrzeuge mit alternativem Antrieb anbieten. Noch gibt es im Bereich der Lastwagen so gut wie keine batteriebetriebenen Fahrzeuge. Die großen Hersteller wollen Anfang 2020 mit ersten Modellen auf den Markt kommen. Es wird zudem überlegt, ob E-betriebene Lastwagen auf der Autobahn ihren Strom künftig aus einem Oberleitungsnetz beziehen könnten. Die große Hürde besteht aber darin, dass niemand weiß, von wem und mit welchen Mitteln die völlig neue Oberleitungsinfrastruktur gebaut werden kann.

Anders als im PKW-Bereich, wo die Kunden etwa im SUV-Segment durchaus Fahrzeuge mit hohem Kraftstoffverbrauch nachfragen, ist ein niedriger Dieselverbrauch schon lange das zentrale Argument von Verkäufern von schweren Zugmaschinen. Nach Angaben der Industrie sind die Verbräuche von Lastwagen in den letzten 20 Jahren bereits um 20 Prozent zurückgegangen. Allein in den letzten fünf Jahren sei der Verbrauch von Neufahrzeugen im Schnitt um acht Prozent reduziert worden.

Die Industrie schaut mit gemischten Gefühlen auf die kommende Regulierung durch die EU. Einerseits rechnen sich Hersteller, die spritsparende Fahrzeuge anbieten, bessere Chancen am Markt aus. Andererseits sehen die Hersteller hohe technologische Herausforderungen. „Lastwagen sind schon verbrauchseffizient“, heißt es in der Branche. Neue Technologien zum Spritsparen seien in der Entwicklung teuer. Damit die höheren Investitionen sich für die Halter auszahlten, müssten sie sich innerhalb von drei bis vier Jahren unter dem Strich bezahlt machen.