Die geschwätzige Republik

Viele Menschen im Land können das unsägliche Berliner Geschwätz, dieses nach Aufmerksamkeit heischende Aufplustern, diese Dauer-Dummschwätzereien eines Großteils der Politiker- Zunft nicht mehr hören.

Ein Heer von profilierungssüchtigen Eigendarstellern ist immer bereit, jeden noch so offensichtlichen Unsinn in irgendwelche Mikrofone zu sprechen. Hauptsache, die gleiche Sau wird mit etwas unterschiedlichen Zungenschlägen durch die gleiche Dorfstraße getrieben, immer und immer wieder. Eine derart unnötige, ziellose Geschwätzigkeit hat dieses Land, haben die Menschen nicht verdient und im Übrigen auch nicht gewählt.

Zur Erinnerung: Niemand zwingt Männer und Frauen, ein politisches Amt zu bekleiden, aber wenn sie es machen, dann übernehmen sie damit Verantwortung. Dann sind sie in der Pflicht, alles zu tun, damit erfolgreich regiert und berechenbar gehandelt wird.

Was wir seit Monaten erleben, ist eher ein Stück aus dem Irrenhaus, in dem jeder glaubt, er sei der Doktor.

Die jüngsten, aber wohl nicht letzten Akte dieses Dauerdramas lassen sich an drei Beispielen festmachen.

Da erzählt der deutsche Verteidigungsminister Franz Josef Jung den Terroristen in aller Welt frank und frei, was er denn zu tun gedenkt, wenn die Taliban oder andere Irre ein Flugzeug entführen mit dem Ziel, es auf eine Stadt stürzen zu lassen. Die Herrschaften können ihre Taktik nun also prima darauf abstellen.

Da faselt Bundesinnenminister Wolfang Schäuble von der Gefahr eines Terroranschlags mit Nuklearmaterial, wünscht uns, bis es soweit ist, noch eine schöne Zeit und erklärt der staunenden Öffentlichkeit anschließend, dass er Konkretes leider auch nicht wisse.

Und jetzt macht die SPD nicht nur die eigenen Parteifreunde völlig kirre, sondern jeden, der sich in diesem Lande für Politik überhaupt noch interessiert.

Was wollen die Spezialdemokraten denn nun? Arbeitslosengeld länger zahlen? Gerhard Schröders Agenda 2010 beerdigen, verändern, sozial gerechter machen, oder soll alles so weiterlaufen? Welche Heilsbotschaft gilt? Die von Kurt Beck, der offiziell Vorsitzender ist, der aber eigentlich sagen kann, was er will, ohne dass dies länger als bis zum nächsten Fernseh-Interview eines sozialdemokratischen Schlaubergers ohne Widerspruch Bestand hätte.

Oder bleibt es doch beim Basta von Franz Müntefering, der sich immer noch für den einzig maßgeblichen Wahrer sozialdemokratischer Tugenden hält, der auf den Koalitionsvertrag und das Erbe Gerhard Schröders verweist, und der soziale Gerechtigkeit ganz anders definiert als sein Parteichef?

Wer weiß schon, was uns morgen als neue Heilsbotschaft verkauft wird, zumal ja auch innerhalb der Union das muntere Flügel-Flattern längst eingesetzt hat. Was um Himmels Willen hat dieser Affenzirkus noch mit seriöser Politik zu tun?

d.schwickerath@volksfreund.de