Die Hoffnung heißt Felix

Felix Madanga, 23, ist nach Trier gekommen, um das Leben der Menschen in seiner Heimat Kenia besser zu machen. Vier Monate lang schaute der Student Umweltexperten über die Schultern, sammelte viel Wissen und staunte über mancherlei in der Stadt.

Trier/Nairobi. Reichlich Eindrücke nimmt Felix Madanga mit in ein Flugzeug nach Kenia. Rund 6000 Kilometer Luftlinie weiter möchte der Student der Kenyatta University in Nairobi umsetzen, was er als Praktikant im Umweltamt der Stadt Trier gelernt hat. Während die Stadtoberen oftmals Schelte für die Verkehrssituation ernten, ist der junge Afrikaner hin und weg von der Organisation des Verkehrs in Trier: "Trier ist sehr, sehr sauber - und es gibt viele Bäume."
Meist spricht Felix Deutsch, nur wenn ihm die Worte fehlen Englisch. In den Slums Nairobis türmten sich umweltschädliche, stinkende Müllberge, schildert er die Lage in der kenianischen Millionenstadt. Es würden mehr Bäume gefällt als gepflanzt. Nichts werde recycelt, also wiederverwertet. Und zu wenige Menschen nutzten das Fahrrad - ganz anders als in Trier. Felix Madanga hat viel vor: In seinem Dorf Kaila Kitmikayi-West plant er ein eigenes Solarprojekt. Die 570 Menschen dort haben keinen Zugang zu Elektrizität.
Gefährliche Lampen


"Sie kochen mit Kohle, und die einzigen Lichtquellen sind Paraffinlampen", schildert er. Die schädigten die Gesundheit, es komme zu Vergiftungen und Verbrennungen: "Besonders wenn Kinder auf engem Raum spielen, ist das sehr gefährlich."

Auch grüner soll sein Dorf werden: 500 Bäume möchte Felix kaufen und pflanzen. Im Trierer Weisshauswald hat er gelernt, Bäume zu kontrollieren. In Kenia möchte er ein paar Leute zusammentrommeln, die mit ihm ehrenamtlich dabei helfen.
"Ich habe alles dokumentiert, was ich gelernt habe, und teile es mit den Studenten an der Uni", sagt der Student. Von Müllbeseitigung und Recyclingverfahren über Solar- und Windenergie bis hin zur Baumkontrolle hat er sich Notizen gemacht.
Für ihn steht außer Frage, in sein Land zurückzukehren. Die Liebe zu seiner Heimat und seiner Familie ist mit der Motor für sein Engagement. Das Praktikum in Trier wurde durch Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe, den Vorsitzenden des Vereins "Bildung fördert Entwicklung", Johannes Michael Nebe, Triers Umweltberater Johannes Hill sowie durch TV-Leserinnen und -leser möglich. Und durch den Verein, den der ehemalige Hochschullehrer und Afrika-Experte Nebe mitbegründet hat. Nebe setzt sich unermüdlich dafür ein, das Potential, "das in vielen Kenianern schlummert", zu nutzen. Er zitiert Nelson Mandela: "Bildung ist die mächtigste Waffe, um die Welt zu verändern.”
Felix Madanga, begabt und wissensdurstig, ist einer, für den der Verein maßgeschneidert ist. 2015 war der junge Kenianer schon einmal in Trier, nahm an einem internationalen Ferienkurs an der Uni teil - und begegnete auch Leibe. "Der Oberbürgermeister war beeindruckt von Felix und hatte ihn zu dem mehrmonatigen Praktikum eingeladen", sagt Nebe. Das war ganz im Sinne von "Bildung fördert Entwicklung”.
Daraufhin sammelte der Verein über die Spendenaktion "Meine Hilfe zählt" erfolgreich das Geld für den Aufenthalt in Trier. Nebe schaffte in seinem Haus Platz für den Gast. "Ich habe nur nette Menschen kennengelernt", schwärmt Felix nach fast 16 Wochen Umweltschutz-Praktikum. Er möchte unbedingt, dass in der Zeitung steht: "Danke für alles."
Viel gelernt habe er von Umweltberater Hill. Über ihn lernte er die Arbeit einiger Trierer Umweltinitiativen kennen. Gewundert hat sich Felix Madanga darüber, dass die Menschen Brötchen essen und sehr viel Käse. Und über Wasser mit Kohlensäure schüttelt er lachend den Kopf.
Wenige Tage vor seinem Abflug spürt man, dass er danach giert, seine Visionen und das Erlernte umzusetzen. Menschen wie Felix braucht Kenia. Und Menschen, die Studenten wie ihm ein Praktikum wie dieses in Trier ermöglichen.

Mehr von Volksfreund