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"Die Kinder haben ein Anrecht auf Mutter und Vater"

Beim Streit ums Sorgerecht haben Single-Väter künftig bessere Karten. Foto: iStock/Tatiana Gladskikh
Beim Streit ums Sorgerecht haben Single-Väter künftig bessere Karten. Foto: iStock/Tatiana Gladskikh
Ledige Väter dürfen beim Sorgerecht für ihre Kinder demnächst mitbestimmen, auch wenn dies der Mutter nicht gefällt. "Damit werden auch die Rechte der Kinder gestärkt", sagt die rheinland-pfälzische Familienministerin Malu Dreyer (SPD). Von unserem Redakteur Rolf Seydewitz

Trier. Streiten sich getrennt lebende Eltern wegen der Kinder vor Gericht, geht's bislang meist ums Umgangsrecht, also die Frage: Wer darf das gemeinsame Kind wann und wie lange sehen? "Das Sorgerecht war bei Unverheirateten schon deshalb kein Thema fürs Familiengericht, weil die Väter allemal chancenlos waren", sagt Reinhold Schmitt. Der Trie rer Fachanwalt für Familienrecht glaubt allerdings, dass sich dies nach dem Urteil des Verfassungsgerichts ändern wird.

Die Karlsruher Richter haben die Rechte von Single-Vätern gestärkt. Auch wenn's der Mutter nicht passt, dürfen sie künftig etwa mitbestimmen, auf welche Schule das Kind gehen soll. Gibt es Streit, muss notfalls ein Gericht entscheiden.

"Die werden jetzt mehr zu tun bekommen", meint Fachanwalt Schmitt, der mit der angemahnten Neuregelung zufrieden ist: "Eine jahrelange Diskriminierung von Single-Vätern wird beseitigt." Ähnlich sieht dies auch Ministerin Malu Dreyer: "Damit werden auch die Rechte der Kinder gestärkt, die ein Anrecht auf Vater und Mutter haben." Hintergrund So kommen unverheiratete Väter an ihr Sorgerecht: Unverheiratete Väter können ab sofort eine gleichberechtigte Mitsorge für gemeinsame Kinder beantragen. Das Bundesverfassungsgericht (BVG) stärkte jetzt die Rechte für diese Väter, die bislang nur mit Zustimmung der Mutter ein gemeinsames Sorgerecht erhielten. "Um an seine Rechte als Vater zu gelangen, muss dieser zunächst einmal die Vaterschaft anerkennen", erklärt Fachanwältin Ingeborg Rakete-Dombek, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Familienrecht im Deutschen Anwaltverein in Berlin. Dies geschehe beim zuständigen Jugendamt am Wohnort des Kindes. Dort wird auch die sogenannte Sorgeerklärung abgegeben, die öffentlich beurkundet werden muss. Das Jungendamt prüft den Antrag. Verweigert die Mutter ein gemeinsames Sorgerecht, kann der Vater seinen Antrag beim Familiengericht überprüfen lassen. Der unverheiratete Vater kann auch die Alleinsorge beantragen. Im Vordergrund steht aber immer das Kindeswohl. Das Gericht muss dann klären, ob die Mutter ungeeignet oder schlechter geeignet ist, für das Kind zu sorgen.extra Hier können Väter Mitsprache einfordern:Beim Aufenthaltsrecht: Väter können den Wohnort des Kindes künftig mitbestimmen. Josef Linsler, Vorsitzender des Interessenverbands Unterhalt und Familienrecht in Würzburg, erläutert die Details: Mütter dürfen mit ihrem Kind nicht mehr einfach weit weg ziehen. Dagegen können Väter Einspruch einlegen und juristisch prüfen lassen, ob ein Ortswechsel mit dem Wohl des Kindes in Einklang steht. Bei Schulfragen: Väter sind dazu berechtigt, sich über die Leistungen ihres Kindes in der Schule zu informieren Sie haben Anspruch darauf, sich vom Lehrer das Zeugnis geben zu lassen, wenn es die Mutter nicht tut. Sie dürfen mitentscheiden, auf welche Schule das Kind gehen soll. Über Schulwechsel muss gemeinsam entschieden werden. Bei Gesundheitsfragen: Väter dürfen vom Arzt Auskunft über den Gesundheitszustand des Kindes verlangen. Zudem müssen sie etwa Operationen zustimmen. Bei Vermögensfragen: Ein Konto für das Kind eröffnen konnten Väter bislang auch - allerdings wurde das Geld von der Mutter verwaltet. Diese Regelung fällt nun weg. Ab sofort ist der Vater für das Konto selbst verantwortlich. Bei religiöser Erziehung: Ob das Kind evangelisch oder katholisch getauft wird, entscheiden Mutter und Vater. Können sie sich nicht einigen, hält ein Gericht das fest. Keine neuen Pflichten: Väter dürfen ab sofort mehr, müssen aber nicht mehr leisten. Sie müssen die Vaterschaft anerkennen und schulden dem Kind bis zum Ende der Ausbildung Unterhalt, wenn es nicht von ihnen persönlich betreut wird. Die Rechte auf Mitbestimmung, Information oder Vermögenssorge können Väter in Anspruch nehmen, wenn sie wollen. Verpflichtet werden könnten sie dazu aber nicht.