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Fünf Jahre Rauchverbot in NRW
"Die klassische Bierkneipe gibt es fast nicht mehr"

Klassische Bierkneipen gibt es in NRW immer weniger.
Klassische Bierkneipen gibt es in NRW immer weniger. FOTO: NGG-Region Düsseldorf-Wuppertal
Düsseldorf. Am 1. Mai 2013 durfte in Gaststätten in NRW plötzlich nicht mehr geraucht werden. Gastwirte und Verbände prophezeiten ein schnelles Kneipensterben. In der Tat haben es klassische Bierkneipen schwer. Aber ist daran wirklich das Rauchverbot schuld?

Am 1. Mai 2013 durfte in Gaststätten in NRW plötzlich nicht mehr geraucht werden. Gastwirte und Verbände prophezeiten ein schnelles Kneipensterben. In der Tat haben es klassische Bierkneipen schwer. Aber ist daran wirklich das Rauchverbot schuld?

"Es ist eingetreten, wovon wir ausgegangen sind: Die klassischen, getränkeorientierten Kneipen hatten zu leiden", sagt Thorsten Hellwig vom Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) NRW. Im Jahr nach dem Verbot hätten 81 Prozent der Schank- und Tanzbetriebe teils drastische Umsatzeinbußen beklagt. Bei Gastronomien mit Speiseangebot sei das Verbot problemloser angekommen.

"Deutliches Kneipensterben"

Für Hellwig ist die Lage der Kneipen im Land mehr als angespannt:
"Ich sehe ein ganz deutliches Kneipensterben", sagt er. Schon seit Jahren gehe die Zahl der Schankbetriebe in NRW stark zurück. 1994 waren es landesweit noch etwa 21.000 Betriebe, zwei Jahre nach dem absoluten Rauchverbot in NRW nur noch knapp über 8000 - Tendenz sinkend. Heinrich Robens von der "Gaststätte Robens" in Dormagen ist sicher: "Die klassische Bierkneipe, die gibt es fast nicht mehr - und da hat das Rauchverbot ein Übriges zu getan."

Seit vielen Jahrzehnten ist Günter Brune Gastwirt in Münster. Über das absolute Rauchverbot ärgert er sich auch nach fünf Jahren noch.
"Gerade die kleinen Bierkneipen haben massiv gelitten", sagt Brune der dpa - und er weiß es aus eigener Erfahrung. Bis 2017 betrieb er die zweitkleinste Kneipe Münsters, die "Bit-Pünte". "In so kleinen Gaststätten geht jede gemütliche Runde kaputt, wenn die Leute ständig zum Rauchen raus müssen", klagt er. Brune selbst nahm nach Inkrafttreten des absoluten Rauchverbotes einen konkreten Umsatzverlust am Bier wahr - zwischen 15 und 20 Prozent. "Manche kamen aus Protest nicht mehr", ist er sicher.

Unterhaltung und Modernität

Für die schwierige Situation der klassischen Kneipen macht Hellwig vom DEHOGA aber nicht nur das Rauchverbot verantwortlich. "Die Gleichung Rauchverbot = Kneipentod geht so nicht auf", sagt er. Klassische Schankwirtschaften hätten vor allem auch das Problem, dass die Nachfrage sich wandele und Gäste zunehmend nach Unterhaltung und Modernität suchten. "Im Zusammenhang wirkte das Rauchverbot dann aber schon wie ein gesetzlicher Brandbeschleuniger."

Dennoch - nach fünf Jahren haben sich die Gastronomen in NRW an das absolute Rauchverbot gewöhnt, sagt Hellwig. "Das war am Anfang schwer, aber es hat sich normalisiert. Die Akzeptanz für das Rauchverbot ist mittlerweile groß", sagt auch Ralph Heinz von der "Flotten Theke" in Neuss mit Rückblick auf die letzten fünf rauchfreien Kneipenjahre. Viele Gäste seien zunächst nicht begeistert gewesen - die Kneipe verlassen hätten sie aber nicht, sagt Heinz.

"Es kommen weniger Leute"

Auch aktuellen Umfragen zufolge bewegte das Rauchverbot die Deutschen nicht dazu, seltener in Gaststätten zu gehen. Den Eindruck hat auch Gastwirt Stephan Romberg. In Essen führt er die Lokale "Heimliche Liebe" und "Mittendrin". "Ich kann nicht sagen, dass weniger Leute kommen."

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Wirt Romberg fühlt sich bevormundet: "Ich wünsche mir Kompromisse, dass man sagt, bis 22 oder 23 Uhr ist das Rauchen strikt verboten - und ab da ist es dem Wirt überlassen, eine Kneipe als Raucherkneipe laufen zu lassen oder eben nicht."

Hellwig vom DEHOGA wagt eine gemischte Prognose für die nächsten rauchfreien Jahre in den nordrhein-westfälischen Kneipen: "Es wird für die Gastwirte zwar immer schwieriger. Aber funktionierende Kneipen wird es immer geben. Nur nicht so viele wie vor 30 Jahren." Und auch Wirt Romberg sieht das absolute Rauchverbot langfristig nicht als Todesurteil für die Kneipenkultur. "Die Leute gehen ja nicht ins Lokal, weil sie rauchen wollen. Sie kommen, weil sie etwas trinken wollen, weil sie es mögen, wie in Kneipen gesprochen wird."

(csi/lnw)