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"Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wächst"

"Die Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt wächst"

Das Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, Heinrich Alt, rechnet mit bis zu 180 000 Bulgaren und Rumänen, die 2014 in Deutschland einen Job suchen. Was das für den Arbeitsmarkt bedeutet, erklärt er im Volksfreund-Interview.

Berlin. Mit Heinrich Alt (Foto: dpa) sprach unser Berliner Korrespondent Stefan Vetter.

Herr Alt, die Bundesagentur prognostiziert für den Winter einen Anstieg der Arbeitslosenzahl von 2,8 auf bis zu 3,2 Millionen. War's das mit dem Jobwunder in Deutschland?
Heinrich Alt: Nein, überhaupt nicht. Das ist ein rein saisonaler Ausschlag wie jeden Winter. In den vorigen Jahren lag der bei bis zu 500 000 Arbeitslosen mehr. Jetzt sind es nur noch maximal 400 000. Und wir rechnen auch im nächsten Jahr mit einem weiteren Beschäftigungszuwachs.

Tatsache ist aber, dass es für Arbeitslose schwieriger geworden ist, einen Job zu bekommen. Warum?
Alt: Das liegt an der wachsenden Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt. Zum einen steigt die Erwerbsbeteiligung von Älteren und von Frauen. Das ist sehr positiv. Zum anderen verzeichnen wir mehr Zuwanderung aus anderen europäischen Staaten. Diese Arbeitskräfte füllen häufig Lücken, die nicht mit Inländern zu füllen wären.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen verharrt trotz guter Konjunktur schon seit Jahren bei einer Million. Was genau läuft da verkehrt?
Alt: Das Hauptproblem: Langzeitarbeitslose sind überdurchschnittlich schlecht qualifiziert.

Wie lässt sich das Problem lösen?
Alt: Bei der Integration von Langzeitarbeitslosen in den Betrieben haben wir eine Art Innovationsstau. Es fehlt die gute Idee, wie wir diese Menschen schrittweise wieder in betriebliche Praxis integrieren können. Derzeit testen wir in 30 Jobcentern und Arbeitsagenturen ein Programm zur nachhaltigen Beschäftigung.

Ab Januar fallen die letzten Schranken für Rumänien und Bulgarien bei der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Ist ein Run auf Deutschland zu erwarten?
Alt: Ein Ansturm vielleicht nicht, aber es wird Druck geben. Wir rechnen mit bis zu 180 000 Bürgern aus Rumänien und Bulgarien, die 2014 in Deutschland eine Arbeit suchen werden. Da ist auch die Bundesagentur in der Mitverantwortung. Zum Beispiel, wenn es um Deutschkurse oder Aktivierungsmaßnahmen geht.

Aber handelt es sich hier nicht zumeist um eine Zuwanderung in die Sozialsysteme?
Alt: Unter den Bulgaren und Rumänen, die schon bei uns sind, gibt es Akademiker, aber auch Analphabeten. Das Problem ist, dass sich die Geringqualifizierten vornehmlich in Metropolen wie Berlin oder Dortmund konzentrieren, die eh schon einen angespannten Arbeitsmarkt haben.

Großbritannien schränkt Sozialleistungen für Arbeitsmigranten aus Südosteuropa ein. Wäre das auch in Deutschland sinnvoll?
Alt: Nein, das ist keine gute Idee, weil es neue Hürden für einen gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt schafft. Der bessere Weg ist, Arbeitsmigranten willkommen zu heißen und hier zu integrieren, auch wenn das nicht immer einfach ist. vet