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Die Konkurrenz der Katastrophenwarnungen: Katwarn oder Nina?

Die Konkurrenz der Katastrophenwarnungen: Katwarn oder Nina?

Katwarn oder Nina? Geht es nach dem rheinland-pfälzischen Innenminister, ist das erstere das bessere System bei Katastrophenwarnungen. Führende Feuerwehrleute der Region sehen das aber anders. Sie schwören auf Nina.

Trier. Der Amoklauf von München ist auch ein Beispiel dafür, wie künftig die Bevölkerung in solchen akuten Gefahrensituationen gewarnt wird. Die laufende Information der Münchner Polizei über die sozialen Netzwerke Twitter und Facebook ist mittlerweile beispielhaft. Dar-über hinaus ist die Bevölkerung in der Landeshauptstadt auch über Smartphone gewarnt worden, ihre Wohnungen nicht zu verlassen.

Alle Nutzer der Smartphone-App Katwarn haben die laufend aktualisierten Warnungen erhalten. Seitdem erlebt das 2009 vom Fraunhofer-Institut im Auftrag der öffentlichen Versicherer entwickelte System einen wahren Boom. Über 500 000 Neuanmeldungen von Smartphone-Nutzern hat es innerhalb einer Woche gegeben. Auch die Nachfrage bei den Ländern und Kommunen, die ihre Bevölkerung über das System bei Gefahren warnen wollen, steigt. So setzt das Saarland seit gestern auf Katwarn. In Rheinland-Pfalz warnen immerhin bereits 21 von insgesamt 36 Landkreisen und kreisfreien Städten etwa bei Großbränden, lokalen Unwettern oder regional begrenztem Hochwasser über die kostenlose Handy-App.Über 200 000 Nutzer


213 000 Nutzer gibt es hierzulande. Sie können sich zudem (kostenpflichtig) auch per SMS oder auch per E-Mail über Gefahren informieren lassen. Eingespeist werden die Informationen bei Katastrophen, die das gesamte Land betreffen (wie etwa Unfälle in Kernkraftwerken), vom Lagezentrum des rheinland-pfälzischen Innenministeriums oder von der für den landesweit für Katastrophenschutz zuständigen Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) in Trier. Bei regional begrenzten Ereignissen wie etwa Großbränden können die Katastrophenschutzbehörden bei den Kreisen oder kreisfreien Städten oder aber die jeweiligen Rettungsleitstellen über Katwarn die Bevölkerung informieren. Falls sich die Kommunen für die Nutzung von Katwarn entschieden haben.

In der Region ist das nicht der Fall. Dort nutzt die für Rettungseinsätze in allen vier Landkreisen und der Stadt Trier zuständige Leitstelle bei der Trierer Berufsfeuerwehr das Katwarn-Konkurrenzprodukt MoWaS. MoWaS steht für Modulares Warnsystem. Zum einen sendet es Warnmeldungen über die zum System gehörende ebenfalls kostenlose App Nina (Notfall-Informations und Nachrichten-App), und es informiert bei entsprechenden Katastrophen auch automatisch Radio- und Fernsehstationen, die dann die Meldungen verbreiten können. Entwickelt wurde MoWaS, das teilweise die Funktion von Sirenen übernehmen soll, vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BKK). Zuletzt wurde MoWaS in der Region genutzt bei der Entschärfung einer Fliegerbombe in Trier Anfang Juli. Die Warnung ging an alle Nina-Nutzer in der Region, also nicht nur in Trier. Man sei mit MoWaS sehr zufrieden, sagt der Kreisfeuerwehrinspektor der Vulkaneifel, Christoph Bach.Bausteine einer Warnkette


Für die Kommunen sei das System, anders als Katwarn, kostenlos. Katwarn kostet die Kommunen einmalig 15 000 Euro und jährlich 3000 Euro. Allerdings hat das Land, das die Einführung von Katwarn forcieren will, zugesagt, bis zu 40 Prozent der Einführungskosten zu übernehmen. Der Vorteil von MoWaS sei, dass mit dem BKK der Bund dahinter stehe, bei Katwarn seien es etwa Versicherungen, sagt Bach. Sein Kollege aus Trier-Saarburg, Christoph Winckler, sieht in beiden Systemen "nur Bausteine in einer möglichen Warnkette". Sowohl mit Katwarn als auch mit Nina könnten nur maximal fünf Prozent der Bevölkerung erreicht werden. "Es ist auch wichtig, die sozialen Netzwerke in einer Warnkette mit einzubeziehen", sagt Winckler. "Wir müssen auf einen Warnmix zusteuern, wobei die Reaktivierung der Sirenen ebenfalls eine sehr wichtige Rollen spielen wird." Die Stadt Ludwigshafen setzt seit kurzem sowohl auf MoWaS als auch auf Katwarn, um, wie es heißt, "möglichst viele Menschen in kurzer Zeit über Gefahrenlagen zu informieren". Der Widerstand gegen Katwarn in der Region könnte nicht nur finanzieller Natur sein. Offenbar nimmt man es dem früheren Kreisfeuerwehrinspektor von Trier-Saarburg, Ortwin Neuschwander, übel, dass er als Beauftragter des Fraunhofer-Instituts den Kommunen Katwarn verkauft.Bewährtes System

Die Konkurrenz der Katastrophenwarnungen: Katwarn oder Nina?
Foto: (h_tl )


Laut ADD und dem rheinland-pfälzischen Innenminister hat sich Katwarn bewährt. Das Besondere daran sei, dass nur Menschen, die sich im gefährdeten Gebiet aufhielten oder diesen Ort ausgewählt hätten, gewarnt würden, sagt Lewentz. So sind etwa die Besucher des Musikfestivals Rock am Ring in Mendig über Katwarn über die heranziehenden Unwetter informiert worden. Das System ermögliche auch die zielgenaue Warnung von Lehrern und Schülern, wenn es an der Schule einen Amokalarm gebe, sagt Arno Vetter, Geschäftsführer des Betreibers Combirisk. Und beim diesjährigen Münchner Oktoberfest soll es für jedes der 35 Festzelte ortsgenaue Warnungen über Katwarn geben, sagt Vetter.
Einen landesweiten Probealarm für Katwarn wird es am kommenden Montag geben. Die 21 rheinland-pfälzischen Kommunen, die das System nutzen, schicken um 9 Uhr Probewarnungen an die bei Katwarn registrierten Smartphone- und Handy-Nutzer in Rheinland-Pfalz.