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Die lange Schicht im Grenzgebiet

Die lange Schicht im Grenzgebiet

Großer Einsatz, kaum Aufregung: Mit zahlreichen Beamten kontrollieren Bundes- und Landespolizei seit den Terroranschlägen von Brüssel die Grenzen der Region Trier. Verdächtige bis gestern: keine. Prominente: einer.

Winterspelt/Steinebrück/Bleialf. Kontrollposten Schneifel-West, der Rastplatz an der A 60 in der Nähe von Bleialf, kurz vor der Grenze zu Belgien: 15 Bundespolizisten sind hier am Tag nach den grauenvollen Attentaten im Einsatz. Alles, was aus dem Nachbarland reinkommt, wird abgeleitet und von den Polizisten unter die Lupe genommen. Wonach schauen sie? "Junge Männer sind in erster Linie interessant", sagt Rudolf Höser, Pressesprecher der Bundespolizei Trier. "Aber von so etwas darf man sich natürlich nicht blenden lassen."Gespür und Erfahrung


Eben, Verdächtige sehen nicht immer verdächtig aus. Deshalb zähle die Berufserfahrung der Kollegen, die schon an der Einfahrt zum Rastplatz in die Autos schauen und entscheiden, wer genauer kontrolliert werden soll: "Die haben ein sagenhaftes Gespür dafür", sagt Höser, "wo etwas nicht in Ordnung ist." Bisher war alles in Ordnung.
Vorkommnisse? Keine. Bis auf einen Herrn aus der Kölner Südstadt, den viele unter seinem Künstlernamen kennen: Gentleman, mit einigen Hits wie "Superior" oder "Intoxication". Aber der Reggae-Sänger darf natürlich weiterfahren, weil er, eben, ein Gentleman ist. Und auch nicht unter Intoxikation steht.
"Der Einsatz läuft seit gestern morgen um 9 Uhr" sagt Rudolf Hösers Kollegin Stefanie Klein. "Wie lange er geht, ist natürlich abhängig von der Lageentwicklung." 50 Leute habe man an der Grenze insgesamt eingesetzt.
Kurz darauf hören die Beamten, dass einer der Terrorverdächtigen, Najim Laachraoui, von den belgischen Behörden festgenommen worden sein soll - was bald darauf dementiert wird. Also bleiben sie im Dienst - in Zwölf-Stunden-Schichten, wie Rudolf Höser erläutert, "damit wir möglichst viele Leute zur Verfügung haben".
Auch direkt an der Grenze, wo die Bundespolizei an der Auffahrt Winterspelt ebenfalls einen Kontrollposten eingerichtet hat. "Bisher nichts Auffälliges", sagt einer der Beamten, "aber wir halten Augen und Ohren offen". Das tun sie auch abseits der Autobahn, unter anderem mit einer mobilen Streife, die auch die kleinen Grenzübergänge überprüft: Es könne ja durchaus sein, sagt der Beamte von der Bundespolizeidirektion Koblenz, dass "mal einer durch die Hecke kommt".
Kommt aber vorerst keiner. Was auffällt: Auf belgischer Seite, kurz hinter dem Grenzübergang, sieht man keine Kontrollposten. Das dürfe man allerdings nicht fehlinterpretieren, sagt ein Polizist: "Die werden wahrscheinlich im Inland genug zu tun haben."Überall Polizei unterwegs


Im Grenzgebiet zu Luxemburg und Belgien sind noch etliche weitere Beamte unterwegs: "Wir haben Unterstützung durch Kräfte der Bereitschaftspolizei und anderer Dienststellen", sagt Christoph Cremer, Chef der Inspektion Prüm. Allein könne seine Dienststelle das gar nicht stemmen. Irgendwas Erwähnenswertes seit gestern? "Nein, es gab nichts."
Zurück an den Rastplatz Schneifel-West: Zeitung, Radio, Fernsehen - man hat phasenweise den Eindruck, es seien mehr Medienmenschen am Einsatzort als Autofahrer, die überprüft werden. Najim Laachraoui ist bis in den Nachmittag hinein nicht gefasst. Festgenommen wurde, in Anderlecht, ein anderer Mann, wie der belgische Generalstaatsanwalt Frederic van Leeuw mitteilt. Die Lage bleibt kritisch, die lange Schicht für die Beamten auch auf deutscher Seite geht vorerst weiter.