Die Lunte glimmt weiter

Er war stets um eine friedliche Lösung des Kosovo-Konflikts bemüht, stellte sich gegen die radikalen Nachfolger der Befreiungs-Armee UCK und sollte die kosovarische Seite bei den Verhandlungen um die Zukunft des Pulverfasses führen.

Nach dem Tod von Präsident Ibrahim Rugova werden aber genau jene anti-serbisch (und auch teilweise anti-europäisch) eingestellten Kräfte versuchen, die Macht an sich zu reißen. Der Nachfolger von Rugova wird es schwer haben, dessen Arbeit fortzusetzen. Gerade wegen der immer währenden gewalttätigen Auseinandersetzungen muss sich die internationale Gemeinschaft noch stärker einmischen. Denn die Zukunft des Kosovo strahlt bis nach Deutschland aus. Je weniger Kosovaren und Serben zu Kompromissen über den zukünftigen Status bereit sind, desto größer wird die Gefahr für die dort stationierten internationalen Kfor-Truppen. Je mehr die UCK-nahen Parteien die Oberhand gewinnen, oder die Serben die Vakanz nach Rugovas Tod zu ihren Gunsten ausschlachten wollen, desto öfter wird es zu Scharmützeln kommen. Ursprünglich sollte ab Mittwoch darüber verhandelt werden, ob der Kosovo (der de jure unter serbischer Führung, de facto aber unter UN-Kontrolle steht) unabhängig wird. Und egal wie die Verhandlungen enden - selbst bei einem erfolgreichen Abschluss endet nicht die Präsenz von internationalen Kräften. Rugova war der Hoffnungsträger seiner Landsleute und der Weltgemeinschaft - und derzeit macht niemand den Anschein, als ob er diese Rolle ausfüllen könnte wie der Ex-Präsident. Die Lunte am Pulverfass Kosovo, die eigentlich lange gekappt sein sollte, glimmt heftiger denn je, wenn nicht schnell ein Kompromiss gefunden wird. Und daher müssen EU, UN und Nato die verfeindeten Seiten nach dem Tod Rugovas so schnell wie möglich an den Verhandlungstisch führen. b.pazen@volksfreund.de