Die nackte Not

Die Bundesregierung verabschiedete sich vom alten Jahr in gewohnter Manier: Mit einem Knallbonbon, das künftigen Rentnern in den Ohren klingt. Zwar mögen die Riesen-Lettern einer Boulevardzeitung ("Renten-Klau") übertrieben sein, doch in der Tendenz ist es so: Die Tatsache, dass Ruheständler künftig den vollen Beitragssatz zu ihrer Krankenversicherung auf Betriebsrenten oder Zusatzversicherungen zahlen sollen, schmälert die Alterseinkünfte. Und das ist doppelt ärgerlich, denn das zusätzliche Abkassieren mindert nicht nur die Kaufkraft der Rentner, sondern konterkariert das Bemühen der selben Regierung, die Bürger zu mehr Eigenvorsorge zu animieren. Das Problem ist indes komplexer, als es auf den ersten Blick scheint. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat die Maßnahme nicht aus Jux und Dollerei beschlossen: Die nackte Not trieb sie dazu. Bereits im Sommer hatten die Kassen geklagt, immer mehr Versicherte würden sich ihre Zusatzrente auf einen Schlag auszahlen lassen, um den höheren Beitragssatz zu vermeiden. Und da in den Krankenkassen selbst das finanzielle Elend herrscht, war Handeln geboten. Ständig preist die Regierung die Segnungen ihrer Reform, doch Belastungen werden verschwiegen. Wer mehr Eigenvorsorge will, muss diese aber fördern. Und nicht Verdruss schaffen. nachrichten.red@volksfreund.de

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