"Die Nato muss handlungsfähig bleiben"

Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) will beim Nato-Gipfel Anfang April in London auch über den Afghanistan-Einsatz und die künftige Mitgliederzahl des Bündnisses reden. Über die Perspektiven des Militär-Einsatzes in Afghanistan sprach unser Berliner Korrespondent Werner Kolhoff mit dem Minister.

Berlin. In Afghanistan hatte man nicht gerade den Eindruck, dass es von Beginn an eine klare Strategie gab.

Franz Josef Jung: Dem kann ich nicht widersprechen. Die Nato ist seit 2003 in Afghanistan, aber erst auf dem Gipfeltreffen in Bukarest im Jahr 2008 wurde die Gesamtstrategie beschlossen. So etwas darf sich nicht wiederholen. Deshalb ist es richtig, wenn wir jetzt den politisch-strategischen Dialog intensiver führen.

Zu Beginn des Afghanistan-Einsatzes, als Sie noch nicht verantwortlich waren, hießen die Ziele noch Demokratie und Bildungschancen auch für Mädchen.

Jung: Afghanistan ist vom Terrorregime der Taliban befreit worden, es gibt eine Verfassung, ein Parlament und einen gewählten Präsidenten. Und statt einer Million Kinder gehen heute fast sieben Millionen - auch Mädchen - wieder zur Schule. Das alles ist positiv. Es wäre aber ein Fehler, wenn wir den Anspruch hätten, unser Verständnis einer westlichen Demokratie nach Afghanistan zu transportieren. Letztlich ist die selbst tragende Sicherheit unser Ziel.

Georgien und die Ukraine wollen ins Bündnis. Bedeutet das: Nato-Erweiterung ohne Ende?

Jung: Zur Strategiedebatte muss gehören, dass wir klar und deutlich definieren, wie weit sich die Nato erweitern soll. Wir werden jetzt beim Nato-Gipfel Kroatien und Albanien aufnehmen und sind dann 28 Mitglieder. Mazedonien wird dazu kommen, wenn dort die regionalen Streitigkeiten beigelegt sind. Wir müssen uns danach aber fragen, wie weit wir die Politik der offenen Tür vorantreiben, oder wo es in partnerschaftliche Beziehungen übergeht. Denn die Nato muss auch weiterhin handlungsfähig bleiben.

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