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Die Paukenschläge und Volten des Saarländers

Oskar Lafontaine hat in seinem politischen Leben schon mehrfach für Paukenschläge gesorgt - vor allem die SPD düpierte er oftmals; aber auch die Linke wurde von so mancher Entscheidung überrascht.

Kanzlerkandidatur und Einheit 1990: Nach dem Messer-Attentat einer geistig verwirrten Frau während einer Wahlkampfveranstaltung hält Lafontaine die SPD hin, ob er an seiner Kanzlerkandidatur festhält. Die ungewisse Situation lähmt die Partei. Letztlich tritt er an, die SPD verliert aber die Wahl. Lafontaine will seine Partei darauf festlegen, den Staatsvertrag mit der DDR im Bundestag abzulehnen, im Bundesrat aber passieren zu lassen. Er setzt sich damit nicht durch, respektiert aber das klare Ja seiner Partei zum Einigungsvertrag, der am 3. Oktober 1990 in Kraft tritt.

Mannheim 1995: Auf dem Bundesparteitag in Mannheim tritt der damalige saarländische Ministerpräsident am 16. November 1995 überraschend an die Spitze der SPD - nach einer beispiellosen Kampfkandidatur gegen Rudolf Scharping.

Doppelter Rücktritt 1999: Als Finanzminister der rot-grünen Regierung hat der Parteichef Lafontaine die Richtlinienkompetenz des Kanzlers Gerhard Schröder zu akzeptieren. Bald gibt es Gegensätze. Auslöser für den Bruch des Zweckbündnisses Lafontaine/Schröder ist am 10. März 1999 eine Kanzler-"Standpauke" im Kabinett. Dabei soll es um Pläne Lafontaines gegangen sein, die die Stromkonzerne belastet hätten. Am 11. März tritt er zurück.

SPD-Austritt 2005: Lafontaine entfremdet sich von seiner Partei und tritt nach 39 Jahren aus der SPD aus. Er begründet den Schritt mit Schröders Agenda 2010 und der Hartz-IV-Reform von Rot-Grün. Er tritt zunächst in die WASG ein, die später mit der PDS zur Linkspartei fusioniert. Mit Lafontaine als Parteichef erzielt die Partei bei der Bundestagswahl 2009 mit 11,9 Prozent ein Rekordergebnis, die SPD stürzt auf 23 Prozent ab.

Rückzug als Linken-Fraktionschef 2009: Lafontaine kündigt bei der Fraktionsklausur in Rheinsberg am 9. Oktober seinen Rückzug an. Es sei nötig, die Partei langfristig aufzustellen, argumentiert der Saarländer damals gegenüber seiner Partei. "Jahrelang hat man thematisiert, was für ein machtbesessener Mensch ich bin", erklärt er bei seiner Entscheidung, von seiner Krebserkrankung spricht Lafontaine damals überhaupt noch nicht.