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Die Pizza-Connection geht um: Junge Abgeordnete wollen schwarz-grünen Dialog wiederbeleben

Die Pizza-Connection geht um: Junge Abgeordnete wollen schwarz-grünen Dialog wiederbeleben

In Hessen bahnt sich eine schwarz-grüne Regierung an. Und während Union und SPD in Berlin noch an einer großen Koalition stricken, machen sich jüngere Bundestagsabgeordnete beider Lager auch in der Hauptstadt schöne Augen.

In Anlehnung an die einstige "Pizza-Connection" soll es demnächst wieder einen regelmäßig tagenden Gesprächskreis von Vertretern aus Union und Grünen geben. "Die Gesprächsfäden wieder aufzunehmen, ist in jedem Fall sinnvoll", erklärte die grüne Parlamentarierin Brigitte Pothmer gestern gegenüber unserer Zeitung. Schließlich müssten sich die Grünen aus der "Gefangenschaft mit der SPD" lösen.

"Es geht doch um die Frage, mit wem man grüne Inhalte am ehesten durchsetzen kann. Und da ist es richtig, sich mit anderen Parteien auszutauschen und Gemeinsamkeiten auszuloten", sagte Pothmer.
Initiatoren des neuen Gesprächszirkels sind der grüne Verteidigungspolitiker Omid Nouripour (38) und der Gesundheitsexperte der CDU, Jens Spahn (33). "Es geht vor allem auch ums bessere Kennenlernen. Wen kann ich anrufen, wenn ich eine verlässliche Absprache treffen will, wer hat welche Empfindlichkeiten", erläuterte Spahn seine Motive. Angeblich sehen auch die Parteiführungen von Union und Grünen die Lockerungsübungen mit Wohlwollen.
Orientierungszwang


Verwundern kann das nicht. Immerhin haben die Grünen bei drei Bundestagswahlen hintereinander mit dem Versuch einer rot-grünen Neuauflage Schiffbruch erlitten. Und der Union ist beim jüngsten Wahlgang am 22. September die FDP als natürlicher Verbündeter abhanden gekommen. Obendrein hat sich die SPD auf ihrem Parteitag in der vergangenen Woche einem möglichen Bündnis mit der Linkspartei geöffnet. Das zwingt Union und Grüne geradezu, sich mit Blick auf die Wahl 2017 ebenfalls neu zu orientieren.
"Die Union muss neue Optionen wie jetzt in Hessen testen, um aus der Falle herauszukommen, als stärkste Partei nur die große Koalition als Alternative zu haben", sagte der CDU-Politiker Oswald Metzger unserer Zeitung. Umgekehrt könnten die Grünen mit einer schwarz-grünen Konstellation wieder anfangen, die bürgerliche Mitte in ihrer Wählerschaft anzusprechen, die sie mit dem Linkskurs der letzten Jahre verschreckt hätten.
Metzger muss es wissen, denn er kennt das Innenleben beider Parteien aus eigener Erfahrung. Vor seinem Eintritt in die CDU saß der Finanzexperte acht Jahre lang für die Grünen im Bundestag. Metzger war auch Mitglied der "Pizza-Connection", einer schwarz-grünen Debattier-Runde, die sich 1995 bei einem Italiener im Bonner Stadtteil Kessenich gegründet hatte und mehrere Jahre lang regelmäßig tagte, um ideologische Abrüstung zu betreiben. "Wir haben damals Untergrundarbeit geleistet, denn beide Parteien waren sich spinnefeind", erinnert sich Metzger.

Inzwischen sind die Fronten sicher weniger verhärtet als damals. Doch allen Beteiligten ist klar, dass eine schwarz-grüne Regierung auf Bundesebene auch jetzt nicht im Hauruck-Verfahren zu stemmen wäre. Davon zeugen schon die gescheiterten Sondierungsverhandlungen beider Seiten vor ein paar Wochen in Berlin.
"Wenn es eines Tages zu Schwarz-Grün kommen soll, dann muss man das länger vorbereiten", meinte die grüne Abgeordnete Ekin Deligöz, die sich an dem geplanten Gesprächskreis beteiligen wird. Ähnlich wie die längst aufgelöste "Pizza-Connection" soll die neue Runde weniger als 30 Teilnehmer umfassen.
Als Störfaktor für die laufenden Koalitionsverhandlungen sieht man sich aber nicht. Das erste Treffen soll im Januar über die Bühne gehen. Dann dürfte Schwarz-Rot schon regieren. Wenn nicht, wird es allerdings noch einmal spannend: "Dann müssen wir auf jeden Fall miteinander reden", meinte Deligöz.